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PV-Markt Deutschland: Wer dachte das wird ein ruhiges Jahr, der hat sich gehörig getäuscht

PV-Markt-Deutschland-Feb-2026
Aktualisiert am 05. März 2026
7 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Einordnung: Ein turbulenter Jahresstart, der ganz viele Fragen offen lässt

3 Kernthemen beschäftigen derzeit den Photovoltaikmarkt:

  1. Preiserhöhungen im Zuge der Streichung der Exportrabatte für PV-Komponenten aus China.
  2. Ankündigung von Bundesministerin für Wirtschaft und Energie Katherina Reiche zur Kappung der Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 25 kWp ab 2027
  3. Sprunghaft gestiegene Gaspreise nach Ausbruch des Iran-Konflikts

Alle 3 Themen kommen zur Unzeit und schon jedes Thema für sich könnte einen enormen Einfluss auf die PV-Branche haben. Zusammen könnten sie wieder einmal zu erheblichen Verwerfungen bei Angebot und Nachfrage führen.

Die konkreten Auswirkungen werden wir jedoch erst in einigen Wochen genau beurteilen können, nämlich wenn das neue EEG Ende März verabschiedet wird und absehbar ist, wie nachhaltig der Gaspreisanstieg ist. Nur eines ist jetzt schon klar - die Preise werden weiter steigen und in einigen Produktsegmenten könnte es schon bald zur Verknappung kommen.

Werfen wir nun aber einen Blick auf konkretes. Der PV-Zubau im Februar:

Die aktuellen Zubauzahlen stammen aus dem Marktstammdatenregister mit Stand 1. März 2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Anlagen sowie Speicher – keine Herstellerverkäufe. Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow.

Nach dem bereits verhaltenen Januar bestätigt auch der Februar das Bild eines zähen Jahresstarts. Frost, Schnee und kurze Tage führten dieses Jahr zu einem deutlichen Auftragsrückgang und Bauverzögerungen im Dachsegment.

Residential: Rückgang gegenüber Vorjahr – aber weiterhin solide Basis

Im Bereich der PV-Anlagen zwischen 5 und 25 kWp wurden im Februar inklusive erwarteter Nachmeldungen knapp 20.000 Anlagen installiert. Zusammen mit dem Januar ergibt sich für die ersten beiden Monate ein Wert von rund 45.000 Anlagen.

Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2025 waren es rund 66.800 Anlagen, 2024 sogar über 92.000. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Rückgang von rund 32 Prozent. Das ist deutlich – ist aber zum Teil auf die Wetterbedingungen zurückzuführen.

Gleichzeitig zeigt sich, dass sich der Markt nach den Ausnahmejahren 2023 und 2024 weiter auf ein nachhaltigeres Niveau einpendelt. Betrachtet man den Februar 2022, also vor dem Ukraine-Krieg, zeigt sich sogar ein Wachstum. Damals waren es nämlich rund 17.000 PV-Anlagen im selben Zeitraum.

Auch bei den Speichern im Bereich 3–25 kWh sehen wir eine ähnliche Entwicklung. Im Februar wurden rund 23.000 Systeme installiert, kumuliert für Januar und Februar rund 50.500. Das sind etwa 21 Prozent weniger als im Vorjahr. Auffällig ist jedoch, dass trotz schwächerem PV-Zubau erneut mehr Speicher als PV-Anlagen installiert wurden. Nachrüstungen sind wetterunabhängig möglich – und die Speicherquote bleibt hoch.

Für Installateure bedeutet das: Eigenheim-PV ist weiterhin kein Selbstläufer. Der Wettbewerb und Kampf um Kunden ist enorm, Entscheidungsprozesse dauern länger, und politische Diskussionen beeinflussen die Stimmung. Wir beobachten zudem, dass nicht mehr nur der Preis entscheidend ist, sondern wieder mehr Wert auf technische Funktionen und Service gelegt wird. Es überrascht daher kaum, dass Hersteller wie SolarEdge, Sigenergy, Fronius, Ecoflow und E3/DC in den letzten Monaten deutliche Marktanteile gewinnen konnten.  

PV auf Gewerbe und Industriedächern: Verhaltener Start, strukturell robuste Entwicklung

Die ersten beiden Monate 2026 starten auch hier deutlich schwächer als im Vorjahr. Es wurden nur 4.800 Anlagen in diesem Segment installiert. Im gleichen Zeitraum 2025 waren es 10.000 Anlagen. Auch hier spielen Projektverschiebungen und saisonale Effekte eine Rolle. Vergleicht man den Zubau wieder mit 2022, ist das auf lange Sicht aber immer noch ein deutliches Wachstum, denn damals waren es lediglich 2.500 Anlagen.

Langfristig bleibt der Trend also intakt. Insbesondere die Leistungsklassen oberhalb von 100 kWp sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen.

Für Installateure heißt das: Gewerbeanlagen werden tendenziell immer größer. Planungskompetenz, Verständnis von Lastprofilen und Vergütungsmodellen sowie saubere Projektstrukturierung werden immer wichtiger. Der Markt wächst nicht mehr nur über Stückzahlen, sondern über Qualität und Projektgröße.

Gewerbliche Speicher: Der eigentliche Wachstumstreiber

Während PV im Winter verhalten startet, setzt sich die Dynamik im Gewerbespeicherbereich wie von uns prognostiziert fort.  In den ersten beiden Monaten wurden knapp 2.000 Speicher über 25 kWh installiert, rund 21 Prozent mehr als im Vorjahr.  

Noch deutlicher ist die Entwicklung bei der installierten Kapazität. Hier hat sich das Volumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Großspeicher für Arbitragehandel und Regelenergie machen inzwischen rund 80 Prozent der neu installierten Kapazität aus.

Hier entsteht ein eigener Markt. Neben Projektentwicklern profitieren auch Installateure, die sich im Bereich 25–500 kWh positionieren. Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung, Notstrom und zunehmend auch Flexibilitätsmärkte werden zu wirtschaftlichen Argumenten. Steigende Gas- und Strompreise werden diesen Trend noch beschleunigen.

Politischer und Geopolitischer Faktor: Iran-Krieg und Diskussion um Förderanpassungen im Residential

Neben den Marktzahlen spielt aktuell auch die Geopolitik sowie die politische Diskussion hierzulande eine zentrale Rolle. Während der Iran-Krieg zu massiven Preissteigerungen bei Gas und Öl führt, wird im energiepolitischen Umfeld darüber gesprochen, wie Fördermittel künftig effizienter eingesetzt werden können. Katharina Reiche hat sich in diesem Zusammenhang mehrfach kritisch zur bisherigen Struktur der Förderung im privaten PV-Segment geäußert.

Im Fokus stehen Fragen wie die Belastung der Netze durch hohe Einspeisemengen, die Effizienz der Förderinstrumente und die stärkere Ausrichtung auf systemdienliche Lösungen mit Speicher.

Diskutiert werden mögliche Anpassungen bei Einspeisevergütung und Fördermechanismen. Konkrete Beschlüsse gibt es zwar noch nicht, die Richtung scheint spätestens seit dem geleakten EEG-Referentenentwurf aber klar. Diese Debatte und die Preisentwicklung für Gas und potentiell auch für Strom, erzeugen Unsicherheit – insbesondere bei Endkunden im Residential-Segment. Sollten die Gas- und Strompreise weiter steigen und kommt es tatsächlich zur Abschaffung der Einspeisevergütung für Eigenheim-PV ab 2027, so muss mit erheblichen Vorzieheffekten gerechnet werden. Preissteigerungen und Warenverknappung wären die Folge. 2027 stünde uns dann jedoch ein Einbruch in diesem Segment bevor, es ist also erhöhte Vorsicht geboten.

Fazit: Der Markt wird nicht ruhiger und es ist wieder viel los in der PV-Welt

Die Februar-Zahlen lassen aufgrund der Wetterlage noch keinen klaren Blick auf den Markt zu und die weltpolitischen Geschehnisse sorgen für jede Menge Upsite- aber auch Downsite-Potential. Die Preise steigen aber schon jetzt und könnten weiter steigen.

Wir bei Memodo beobachten gemeinsam mit unseren Partnern die aktuellen Geschehnisse sehr genau und Informieren regelmäßig über wichtige Veränderungen. Wir alle hätten uns ein „ruhiges“ PV-Jahr gewünscht - das wird es mit Sicherheit nicht werden, so viel ist jetzt schon klar.

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