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Dynamische Stromtarife ab 2025: Was du wissen musst

Dynamische Stromtarife
Photovoltaik-Wissen
Aktualisiert am 19. Januar 2024
6 Min. Lesezeit
Alexander Utz
Alexander Utz

Stromsparen ist in aller Munde, aber eins ist trotzdem klar: Die Mobilitäts- und Energiewende bedeutet eine höhere Stromnachfrage. Logisch, denn die Elektroautos und Wärmepumpen, die Verbrenner und Ölheizungen ersetzen, brauchen alle Energie. In Zahlen bedeutet das laut einer aktuellen Studie, dass der jährliche Bruttostromverbrauch in Deutschland von unter 600 TWh 2023 auf bis zu 884 TWh im Jahr 2035 steigen wird. Um diese Nachfrage optimal zu bedienen, wird es immer wichtiger, sie mit dem Angebot auszubalancieren. Darum verpflichtet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK) Anbieter ab 2025, dynamische Stromtarife anzubieten. Was das ist, was es für deine Kunden*innen bedeutet und wie wichtig Smart Meter dafür sind, erfährst du hier.

Erneuerbare Energien sind sogenannte „volatile“ Erzeuger – anders als bei fossilen Energieträgern kann ihr Output schwanken. Es ist daher im Sinne aller, also Nutzer*innen, Netzbetreiber und Energieanbieter, den Strom vor allem dann zu verbrauchen, wenn er in Masse produziert wird. Wenn dann aber sehr viele Verbraucher*innen gleichzeitig Energie verbrauchen, entstehen Spitzen im Netz. Um diese Nutzungsspitzen zu reduzieren, gibt es die systemdienliche Lastverschiebung

Damit möglichst viele Nutzer*innen sich an dieser Lastverschiebung beteiligen, braucht es Anreize – und hier kommen die dynamischen Stromtarife ins Spiel.

Was ist ein dynamischer Stromtarif?

Ab 2025 sind Energieversorger verpflichtet, allen Kunden*innen einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Zuvor waren diese fast nur für autarke Betriebe möglich. Bisher haben die meisten Verbraucher*innen einen konstanten Tarif, der über ein bis zwei Jahre festgeschrieben wird. Beim dynamischen Strompreis ist das anders: Der Börsenstrompreis schwankt im Laufe des Tages stetig. Ein dynamischer Stromtarif berechnet sich alle 15–60 Minuten am aktuellen Börsenpreis neu. Er ist also deutlich dynamischer als bekannte flexible Stromtarife, die z.B. drei Preise für verschiedene Tageszeiten anbieten. Wer die Börsenpreise im Blick hat (oder ein Energiemanagementsystem besitzt, dazu später mehr), kann also besonders günstige Energie beziehen.

In dieser Grafik siehst du beispielhaft die Strompreise eines typischen Börsentages 2023. Auf diesen Börsenpreis werden – genau wie beim festen Tarif – Gebühren, Steuern und Entgelte aufgeschlagen.

Verbraucher*innen zahlen also in Zeiten, in denen viel erneuerbarer Strom produziert wird, weniger für ihre Energie. Natürlich bedeutet das aber auch, dass hoher Stromverbrauch zu bestimmten Zeiten mehr kosten kann. Wir haben hier beispielhaft einen Tag mit hohen Preisen mit einem Sommertag verglichen, an dem der Börsenstrompreis niedrig und über mehrere Stunden hinweg sogar negativ war.

Achtung: Netzentgelte im Blick behalten!

Dynamische Stromtarife beschäftigen auch die Bundesnetzagentur. Wenn der Strompreis zu bestimmten Tageszeiten sehr niedrig ist, werden viele Menschen ihre Geräte intensiv nutzen. Das bedeutet einen lokal höheren Verbrauch, der wiederum das lokale Stromnetz belastet. Es ist aber nicht immer sinnvoll, das Netz nur für einige Spitzenstunden am Tag auszubauen. Hier kommen dynamische oder zeitvariable Netzentgelte ins Spiel, die auf die Netzauslastung reagieren. Ist das lokale Netz stark belastet, steigen damit auch die Netzentgelte für diesen lokalen Bereich. Achtung: In Deutschland sind dynamische Netzentgelte anders als in manchen EU-Ländern noch nicht eingeführt. Die Bundesnetzagentur arbeitet aber daran und bietet dir in diesem Video eine Einführung zum Thema.

Ohne geht’s nicht – Smart Meter für smarte Verbraucher*innen

Damit deine Kunden*innen dynamische Stromtarife nutzen können, musst du ein intelligentes Messsystem installieren – ein Smart Meter. Dieses misst in Echtzeit den Verbrauch und kann diese Daten auch weitergeben. Damit sind sie in der Lage, den tatsächlich verbrauchten Strom zum jeweils aktuellen Strompreis abzurechnen. Das BMWK hat den Smart-Meter-Rollout ab 2025 beschlossen. Dieser gilt verpflichtend bei Verbrauchern*innen ab einem jährlichen Verbrauch von 6.000 kWh und/oder ab 7 kW installierter PV-Leistung. Die Kosten für die Nutzer*innen sind dabei gedeckelt.

Die Smart-Meter-Pflicht betrifft also vor allem größere Haushalte oder solche mit Sektorenkopplung, die beispielsweise Photovoltaik, Speicher, Wärmepumpe und Elektroauto nutzen. Dynamische Stromtarife in Kombination mit einem Smart Meter sind gerade bei energieintensiven Verbrauchern interessant, da es hier die größten Einsparpotenziale gibt.

Das Gehirn des Ganzen: Energiemanagementsysteme und dynamische Stromtarife

Um maximalen Nutzen aus einem dynamischen Stromtarif zu ziehen, braucht man ein Energiemanagementsystem (EMS) für den Heimbereich. Es verknüpft und steuert die großen Verbraucher im Haushalt: Speicher, Wärmepumpe und Wallbox. Das EMS erfasst dazu die durch PV erzeugte Energie und verteilt den Strom bedarfsgerecht an die Verbraucher. In Kombination mit einem Smart Meter ermittelt es den günstigsten Zeitpunkt, um verbrauchsintensive Geräte zu betreiben. 

Und das zahlt sich aus: Diese Studie zeigt, dass Verbraucher*innen im Jahr 2035 mit einem System aus dynamischem Stromtarif, Smart Meter und EMS hunderte € im Jahr einsparen können. Flächendeckende dynamische Stromtarife können außerdem dazu beitragen, dass bis 2035 die Hälfte des Stroms in Haushalten zum optimalen Zeitpunkt verbraucht wird.

Lass doch die Maschine rechnen – was die Zukunft bringt

Außerdem spart ein Energiemanagementsystem Zeit und Nerven, indem die Nutzer*innen nicht selbst täglich die Strompreise checken und den Stromverbrauch planen müssen. Die Möglichkeiten, die künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning Energiemanagementsysteme eröffnen, sind besonders interessant: So könnte ein KI-gestütztes EMS Verbrauchsmuster erkennen, den aktuellen Börsenpreis auslesen und zum Beispiel der Wallbox auftragen, das E-Auto nur zu bestimmten Zeiten und zu bestimmten Tarifen zu laden. Was wie Zukunftsmusik klingt, ist derzeit schon in Planung – wir sind gespannt! 

Fazit

Dynamische Stromtarife bieten großes Potential für Verbraucher*innen, Stromkosten zu sparen und erneuerbare Energien optimal zu nutzen. Ab 2025 bietet die kombinierte Verpflichtung zum Anbieten solcher Tarife und der Rollout von Smart Metern ihnen Anreize zum Wechseln. Zusätzlich werden Energiemanagementsysteme immer interessanter.

Zusammenfassung

  • Ab 2025 müssen Stromanbieter Verbraucher*innen dynamische Stromtarife anbieten. 
  • Bei diesen wird der zu zahlende Strompreis auf Basis des aktuellen Börsenstrompreises beinahe in Echtzeit (aktuell auf 1/4 – 1 Stunde) angepasst. 
  • So entstehen große Einsparpotenziale. 
  • Kunden*innen brauchen ein Smart Meter, um den dynamischen Stromtarif zu nutzen.
  • Dazu empfiehlt sich für optimale Effizienz ein Energiemanagementsystem. 
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