„Nach den enormen Corona-Herausforderungen stellen wir nächstes Jahr die Weichen für die Photovoltaik-Zukunft.”

So viele Module wie noch nie verkaufte Jinko Solar dieses Jahr in Europa, auch ihre Position als Marktführer in Europa behaupteten die Chinesen. Frank Niendorf, General Manager Europe bei Jinko, zieht für uns ein Resümee 2020 und lässt ins nächste Jahr blicken.

Wie sieht dein Resümee für das PV-Jahr 2020 aus?

Frank Niendorf: Unterm Strich haben wir ein sehr herausforderndes Jahr hinter uns. Zwar deutlich milder als andere Branchen, aber trotzdem noch kalt erwischt hat uns die Corona-Pandemie. In China gab es den ersten Lockdown, chinesische Produktionskapazitäten wurden zurückgeschraubt und große Lieferengpässe und Verzögerungen folgten.

Dann zog die Pandemie nach Westen und durch den Lockdown hier brach in vielen europäischen Ländern die Nachfrage ein. Im zweiten Halbjahr sahen wir alle wieder mehr Sonne, die Nachfrage zog weltweit enorm an. Unsere Produktion erholte sich schnell. Seitdem kämpfen wir mit Lieferengpässen bei Rohstoffen wie Silizium, Glas und Silber aber auch bei vielen anderen Komponenten. Teilweise sind sie sehr rar oder nur für den doppelten Preis zu haben. Sahen wir Anfang des Jahres noch einen Modulpreisverfall, mussten wir die Modulpreise kürzlich nach oben setzen, um Verluste abzufangen. Auch logistisch gesehen läuft vieles noch nicht rund, gerade Container nach Europa sind im Moment Mangelware.

Gerade wenn Preise fallen, rückt Qualität mehr ins Rampenlicht. Welche Qualitätsstandards können wir von Jinko erwarten und wie sehen deine Gedanken zu Glas/Glas-Modulen aus?

Frank Niendorf: Qualität und Preis sind für mich zwei Paar Schuhe. Abstriche bei der Qualität der Komponenten zu machen, um die Herstellungskosten zu drücken, ist bei einem Produkt, das 25 Jahre auf dem Dach sitzt und Wind, Regen, Schnee und Hagel trotzen muss, sehr riskant. Wir setzen, egal was der Markt treibt, auf hochwertige Komponenten und enge Lieferpartnerschaften. Auch die Qualitätssicherung ist für uns enorm wichtig, da wir Reklamationen vermeiden wollen.

Unsere Qualitätsstandards gelten nicht nur für unsere monofazialen, sondern auch für unsere bifazialen Module. Wir sehen im Markt insbesondere im Bereich Freiflächenanlagen einen enormen Trend weg von mono- hin zu bifazialen Modulen. Dieser Trend geht weiter. Spätestens in 2022 rechnen wir damit, dass 50 % des globalen Gesamtmarktes bifaziale Module einsetzen. Aber müssen diese unbedingt mit einer Glas/Glas-Basis kommen? Das Gewicht und die Lieferengpässe beim Glas sprechen dagegen. Für uns stehen neben bifazialen Modulen aus Glas/Glas auch bifaziale Module aus Glas und einer transparenten Rückseitenfolie hoch im Kurs. Wir fahren hier parallel.

Die Zell- und Modulgrößen erleben einen Umbruch wie lange nicht, wo siehst du den neuen Standard und wie stellt sich Jinko Solar hier auf?

Frank Niendorf: Wir stecken mitten in einem Wettlauf um immer höhere Leistungsklassen. Kaum wurde die „Schallmauer“ von 400 W durchbrochen, geht es auf die 500 W Marke zu. Schon 2021 soll sie fallen. Technologisch gesehen ziehen also > 500 W Hochleistungsmodule ein. Zusätzliche Produktionskapazitäten konzentrieren sich auf Module basierend auf einer Wafer Größe von 182 mm, die Modulleistungsklassen von 530 W auf 72 Zellebene und 585 W auf 78 Zellebene möglich machen.

Wir bedienen die Marktsegmente Dachflächen und Großanlagen mit unseren Produktgruppen Tiger (166 mm Zellgröße) und TigerPro (182 mm Zellgröße). Beide Produktgruppen wird es in den Größen 60, 72 und 78 Zellen geben (monofazial und bifazial), die je nach Kundenbedarf zwischen 400 und 600 W bieten.

Was steckt hinter der „Zell-Allianz“ der großen Chinesen und wie wird sie sich auswirken?

Frank Niendorf: Unsere Zell-Allianz mit zwei großen Marktbegleitern wird sich in geringeren Herstellungskosten zeigen. Indem wir auf eine einheitliche Zellgröße von 182 mm setzen, können sich unsere Lieferanten besser auf diese Produktion ausrichten. Wir haben Skaleneffekte und so profitieren am Ende des Tages alle entlang der Wertschöpfungskette, weil die Kosten besser kontrolliert werden können. Unsere Kunden installieren jetzt nur einheitliche Module, nachdem die Zellgrößen und Effizienzen in den letzten Jahren immer bunter wurden. Ein Vorteil vor allem beim Planen der Projekte.

Wie geht es für Jinko Solar 2021 weiter und welche Trends siehst du nächstes Jahr?

Frank Niendorf: Für 2021 sind wir deutlich optimistischer. Mit den gerade anlaufenden Impfkampagnen werden die Auswirkungen der Covid19-Pandemie bis zum Frühjahr/Sommer 2021 hoffentlich Geschichte sein. Wir rechnen mit einer starken Nachfrage, und das weltweit. Global erwarten wir ein Installationsvolumen um 180 GW. Die Treiber werden hier China und die USA sein, aber auch für den europäischen und deutschen Markt stehen die Zeichen gut.

Die erste Hälfte des Jahres werden weiter starke Lieferengpässe prägen, da die Produktionskapazitäten entlang der Wertschöpfungskette erst nachwachsen müssen. Auch wir rüsten uns für eine enorm steigende Nachfrage, indem wir unsere Produktionskapazitäten nächstes Jahr auf 30-40 GW ausbauen. Damit wollen wir der knappen Versorgungslage entgegenwirken. Wir sind uns sehr sicher, dass das aktuelle Marktpreisniveau bis weit ins nächste Jahr bestehen bleibt. Sinkende Preise in naher Zukunft sehen wir nicht, erst wenn die Produktionskapazitäten steigen – gerade bei Silizium und Solarglas – könnte sich die Lage entspannen.

Frank Niendorf, General Manager Europe, Jinko Solar
Seit 2012 führt Frank Niendorf das Europageschäft von Jinko Solar. Ursprünglich studierte er BWL in Deutschland, Argentinien sowie den USA. Über Unternehmensberatungen landete er dann in der Solarbranche, wo sein Weg schnell die Managementleiter nach oben führte.

Bilder: © Jinko Solar