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Berlin macht Sommerpause – der Speichermarkt nicht

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Aktualisiert am 07. September 2026
9 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Nach dem Paukenschlag Ende Juli – dem Kabinettsbeschluss zur EEG-Novelle und zum Netzanschlusspaket – ist es im August politisch ruhig geworden. Zu ruhig, könnte man meinen: Der Gesetzentwurf liegt seit Mitte August als Drucksache beim Bundesrat, beraten haben ihn weder Länderkammer noch Bundestag. Das passiert erst jetzt, nach der Sommerpause. Der Zeitplan bleibt sportlich: Bis Jahresende soll das Verfahren durch sein, denn dann läuft die EU-Beihilfegenehmigung für das alte Fördersystem aus. 

Für dich heißt das: Es gilt weiter das, was ich seit Monaten schreibe. Noch ist die Novelle kein Gesetz, an Schwellen und Übergangsfristen kann sich im parlamentarischen Verfahren etwas ändern. Die Richtung aber steht: Wer Kund*innen hat, denen die feste 20-Jahres-Vergütung wichtig ist, sollte 2026 in Betrieb nehmen. Und wer sein Geschäft zukunftsfest machen will, verkauft ab sofort Eigenverbrauch: Speicher, Energiemanagement, Wärmepumpe, E-Auto. 

Der Markt selbst hat die Sommerpause übrigens ausgelassen. Die August-Zahlen aus dem Marktstammdatenregister (MaStR) zeigen ein Residential-Segment, das sein Plus gegenüber dem Vorjahr ausbaut, und einen Gewerbespeichermarkt, der sich nahezu verdoppelt. Schauen wir rein. 


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PV-Zubau Eigenheim: Saisonale Delle, aber das Plus wächst

Im Berichtsmonat August wurden inklusive der erwarteten Nachmeldungen rund 40.000 Residential-PV-Anlagen im Segment 5–25 kWp installiert. Das ist weniger als im sehr starken Juli (gut 47.000), aber täuschen lassen sollte man sich davon nicht: Der August ist traditionell Urlaubsmonat, und der Wert liegt klar über dem August des Vorjahres. 

Im Jahresverlauf stehen von Januar bis August 2026 damit über 275.000 Anlagen zu Buche – rund 3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum (Jan–Aug 2025: ca. 268.300). Das Bild festigt sich Monat für Monat: Seit März liegt der Zubau teils deutlich über Vorjahr, der Rückstand aus dem kalten Jahresstart ist längst gedreht. Für das Gesamtjahr bleibe ich bei meiner Einschätzung: Ein Plus von 5 Prozent oder mehr ist drin. 

Zur Einordnung bleibt der Blick zurück wichtig: In den Boomjahren 2023 und 2024 wurden im gleichen Zeitraum 455.000 beziehungsweise 387.000 Anlagen gemeldet. Auf dieses Niveau kommen wir absehbar nicht zurück – aber ein stabil wachsender Markt mit 40.000 Anlagen im Urlaubsmonat ist eine solide Basis, auf der sich planen lässt.

Speichermarkt Eigenheim: 8 Prozent über Vorjahr – und die Quote bleibt über 100

Im Residential-Speichersegment (5–25 kWh) wurden im August ebenfalls rund 40.000 Systeme installiert. Von Januar bis August kommen wir auf knapp 282.000 Systeme – 8 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und damit noch einmal dynamischer als der PV-Zubau. Für das Gesamtjahr bleibe ich bei einem Zuwachs von 10 Prozent auf rund 425.000 Systeme

Die Speicherquote hält sich – rollierend über sechs Monate – bei rund 102 Prozent. Auf jede neue Hausdachanlage kommt also weiterhin rechnerisch mehr als ein Speicher, weil parallel kräftig im Bestand nachgerüstet wird. Was ich im letzten Update das „neue Zentrum der Anlage“ genannt habe, ist keine Momentaufnahme, sondern der neue Normalzustand. 

Und die EEG-Debatte dürfte diesen Trend weiter befeuern: Je unattraktiver die Einspeisung wird, desto größer werden die Speicher im Keller ausgelegt – dynamische Stromtarife und Nachrüstungen tun ihr Übriges. 

Methodischer Hinweis: Wie in den letzten Updates sind alle erkennbaren Speicher zu Balkonkraftwerken aus den Zahlen herausgerechnet. Betrachtet werden nur Systeme über 2 kW Leistung und 3 kWh Kapazität.

Gewerbe-PV über 25 kWp: Keine Trendwende in Sicht

Das gewerbliche Aufdach-Segment bleibt die schwache Stelle im Markt. Für den August erwarte ich knapp 1.900 gemeldete Anlagen – rund 150 weniger als im August 2025. Von Januar bis August stehen rund 18.500 Anlagen zu Buche, ein Minus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Meine Jahresprognose senke ich leicht auf 27.000 Anlagen – das wären 22 Prozent weniger als 2025. 

Die durchschnittliche Anlagengröße bleibt mit rund 112 kWp stabil – das Problem sind nicht kleinere Projekte, sondern weniger Projekte. An den Bremsen hat sich nichts geändert: Zinsniveau, Netzanschlussverfahren, zögerliche Investitionsentscheidungen. Ob das Netzanschlusspaket hier ab 2027 Wirkung zeigt, bleibt die spannendste offene Frage für dieses Segment. 

Am oberen Ende geht es weiter voran, wenn auch etwas ruhiger als im Juli: 20 Dachanlagen über 1 MWp mit zusammen gut 38 MWp wurden gemeldet – darunter produzierende Unternehmen und Logistiker wie Prologis (zwei Anlagen mit knapp 4 MWp) und erneut Hövelmann. Handel, Logistik und Industrie bleiben die Treiber im Großanlagen-Segment.

Gewerbespeicher: 98 Prozent über Vorjahr – die Verdopplung ist zum Greifen nah

Der Gewerbespeichermarkt bleibt das dynamischste Segment im deutschen PV-Umfeld – und legt noch einmal nach. Im August wurden über 2.600 Systeme über 25 kWh installiert. Von Januar bis August kommen wir auf rund 12.450 Systeme – ein Plus von 98 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zur Erinnerung, wie sich diese Kurve entwickelt hat: 67 Prozent im Mai, 76 Prozent im Juni, 88 Prozent im Juli. Die faktische Verdopplung des Marktes ist zum Greifen nah. 

Meine Jahresprognose bestätige ich bei über 19.000 Systemen mit rund 10 GWh Kapazität – gegenüber 2,3 GWh im Gesamtjahr 2025 mehr als eine Vervierfachung. Getragen wird das Kapazitätswachstum weiter von Großprojekten: 24 Großspeicher über 5 MWh mit insgesamt über 773 MWh wurden im August gemeldet, darunter ein 209-MWh-Speicher in Sachsen-Anhalt, ein 112-MWh-System in Schleswig-Holstein und sieben Speicher mit zusammen 163 MWh am Solarpark Gumtow in Brandenburg. 

Für Installations- und Fachbetriebe bleibt der Sweetspot das Segment 25–500 kWh – und genau dort wächst es strukturell: Die Klassen 250–500 kWh und 500–1.000 kWh haben schon jetzt, nach acht Monaten, die Stückzahlen des gesamten Vorjahres übertroffen. Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung und Notstrom für Gewerbekund*innen sind kein Nischengeschäft mehr, sondern die verlässlichste Wachstumsquelle des Jahres.

Neu im Datensatz: Freiflächenanlagen ab 100 kWp

Ab dieser Ausgabe wertet unser Datenpartner auch Freiflächenanlagen ab 100 kWp aus. Die erste Bestandsaufnahme: 2026 wurden bisher über 1.100 Freiflächenanlagen mit mehr als 6 GWp gemeldet. Bayern führt bei Anzahl und installierter Kapazität, die größten Einzelprojekte entstehen aber in Brandenburg – im August etwa der Solarpark Gumtow mit 165 MWp in acht Losen. 

Für dich als Installateur*in ist das vor allem Kontext: Freifläche ist Projektierer-Geschäft, kein Handwerksmarkt. Aber die Zahl erklärt, warum die Politik den PV-Zubau zunehmend über dieses Segment plant – und sie zeigt, wo künftig die Großspeicher stehen werden. Wir behalten die Rubrik im Blick, ohne sie zum Schwerpunkt zu machen. 

Marktanteile Speicher: Die Verfolger rücken auf

Bei den Speicher-Marktanteilen bleibt an der Spitze alles beim Alten: BYD verteidigt mit 16 Prozent den ersten Platz – mit weiter deutlichem Abstand auf Sungrow, das stabil bei 11 Prozent liegt. Dahinter bewegt sich dagegen einiges: Huawei hat sich nach dem monatelangen Sinkflug bei 9 Prozent eingependelt – vor einem Jahr waren es noch 12. 

Dahinter geht der Aufstieg weiter: Fronius erreicht mit 8 Prozent einen neuen Höchstwert in dieser Auswertung – vor einem Jahr lag der Anteil bei 3 Prozent. Sigenergy hält sich bei 6 Prozent (Vorjahr: 3), E3/DC bei 4 Prozent. Der Abstand zwischen Platz drei und Platz vier schrumpft damit auf einen einzigen Prozentpunkt – es ist keine gewagte Prognose mehr, dass Fronius Huawei in den kommenden Monaten überholen könnte. 

Meine Lesart bleibt dieselbe wie im letzten Update, sie wird nur immer deutlicher: In einem Markt, der sich vom Einspeisen zum intelligenten Eigenverbrauch dreht, gewinnen die Anbieter, die Wechselrichter, Speicher und Energiemanagement als System denken und eng mit den Fachbetrieben arbeiten. Dazu kommt ein politischer Rückenwind, der nicht zu übersehen ist: Die EU hat die Förderung für Wechselrichter aus China und anderen „Hochrisikoländern“ gestoppt – aus Sorge um die Cybersicherheit dauerhaft internetverbundener Geräte. Das trifft die Verkaufsargumente der chinesischen Anbieter im europäischen Markt zusätzlich. 

Fazit: Was jetzt wichtig wird

  • Die EEG-Novelle geht jetzt ins Parlament. Seit Mitte August liegt der Entwurf beim Bundesrat, ab September wird beraten, bis Jahresende soll alles durch sein. Noch ist nichts Gesetz – aber plane dein Geschäft so, als käme es. 

  • Das 2026er-Fenster schließt sich. Wer die feste 20-Jahres-Vergütung noch mitnehmen will, muss dieses Jahr in Betrieb nehmen. Kommuniziere das aktiv – als Fakt, nicht als Drohkulisse. 

  • Residential wächst verlässlich. 3 Prozent über Vorjahr nach acht Monaten, Tendenz steigend – die 5 Prozent fürs Gesamtjahr bleiben realistisch. 

  • Der Speicher bleibt das Maß der Dinge. Quote über 100 Prozent, Heimspeicher wachsen schneller als der PV-Zubau. Auslegung im Zweifel größer denken – die neue EEG-Welt belohnt jede selbst verbrauchte Kilowattstunde. 

  • Gewerbespeicher verdoppeln sich fast. 98 Prozent über Vorjahr, 19.000 Systeme und 10 GWh in Sicht. Wer im Segment 25–500 kWh noch nicht aktiv ist, verschenkt das dynamischste Geschäft des Jahres. 

  • Bei den Herstellern rücken die Verfolger auf. BYD verteidigt die Spitze, dahinter ist Fronius mit 8 Prozent auf Rekordkurs, Sigenergy und E3/DC wachsen stabil, Huawei fällt zurück. Systemplattformen und Europa-Argumente gewinnen – auch dank EU-Förderstopp für China-Wechselrichter. 

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