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Das nächste Kapitel – die EEG-Novelle nimmt Form an: Chance oder Risiko für die Branche?

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Aktualisiert am 07. August 2026
11 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Im letzten Update habe ich noch geschrieben: „Die EEG-Novelle lässt auf sich warten.“ Das Warten ist vorbei. Am 29. Juli hat das Bundeskabinett die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket beschlossen – und damit das Ende einer Ära eingeläutet, die 2000 mit dem EEG begann. 

Was drinsteht, ist im Kern das, was sich seit Monaten abgezeichnet hat: Die feste Einspeisevergütung über 20 Jahre läuft für Neuanlagen aus. Wer ab 2027 baut, bekommt für rund drei Jahre noch eine feste Übergangszahlung – etwa 1 Cent pro kWh unter den heutigen Sätzen, danach heißt es Direktvermarktung oder maximaler Eigenverbrauch.

Die Schwelle, um überhaupt noch eine Übergangszahlung zu bekommen, sinkt Jahr für Jahr: 2027 sind noch Anlagen bis 50 kWp dabei, danach wird der Kreis enger. Bestandsanlagen behalten ihre zugesicherte Vergütung, und wer noch in diesem Jahr in Betrieb nimmt, sichert sich die aktuelle Förderlogik für 20 Jahre.

Wichtig bleibt: Beschlossen hat bisher das Kabinett, nicht der Bundestag. Nach der Sommerpause folgen Parlament, Bundesrat und die beihilferechtliche Genehmigung aus Brüssel – bis Ende 2026 soll alles durch sein, weil dann die EU-Genehmigung für das alte Fördersystem ausläuft. Es kann also noch zu Änderungen kommen! 

Der nun vorgelegte Gesetzentwurf wurde und wird viel diskutiert. Die Folgen: schwer abschätzbar. Eine PV-Anlage im Eigenheim braucht zwar grundsätzlich keine garantierte Vergütung über 20 Jahre mehr um sinnvoll zu sein, dennoch hat das EEG in seiner bisherigen Form massiv dazu beigetragen, den PV-Zubau im Eigenheim auf einem stabilen Niveau zu halten.

Damit PV-Anlagen auch nach dem neuen EEG wirtschaftlich bleiben braucht es mehr elektrische Verbraucher, größere Speicher sowie eine intelligente Steuerung für Wärmepumpe, Klimaanlage und E-Ladestation. Gleichzeitg müssen die Kosten für die Direktvermarktung runter. Den Trend zu Systemen sehen wir schon lange, jetzt wird es essenziell. 

Aktuell gehen wir davon aus, dass es nun in der zweiten Jahreshälfte einen deutlichen Nachfrageanstieg geben wird. Installateure werden das als erste spüren, denn viele Endverbraucher*innen werden sich die auf 20 Jahre festgeschriebene Einspeisevergütung sichern wollen, einfach weil es sie danach nicht mehr gibt! 

Dadurch dürfte auch schon jetzt klar sein, dass es im neuen Jahr zu einer Delle im Eigenheimsegment kommen wird, da sich der Markt erst wieder an den neuen Standard gewöhnen muss. Es ist also Vorsicht geboten.

Müssen wir ein Szenario wie 2013 befürchten, als der Markt nach dem Absenken der Einspeisevergütung um 75% eingebrochen ist? So dramatisch wird es wohl nicht werden, aber es ist klar, dass sich die Branche wieder einmal neu erfinden muss. Das EEG ist tot, lang lebe die Direktvermarktung und der Eigenverbrauch! Jetzt dreht sich alles um die Kombination aus PV, Speicher, Wärmepumpe, Klimatechnik und Ladestation.

Wer sich noch nicht damit beschäftigt, sollte jetzt damit anfangen, ansonsten wird es nächstes Jahr richtig schwer. Installateure und Hersteller, die heute schon voll auf gesamtheitliche Lösungen setzen, werden nächstes Jahr die Nase vorne haben. 

Parallel dazu entsteht derzeit ein riesiger Markt für Gewerbespeicher und in den nächsten Jahren laufen etwa eine Million PV-Anlagen aus der alten, 20-jährigen Vergütung. Der Großteil dieser Anlagen wird weiterbetrieben oder erneuert und geht damit direkt in die Direktvermarktung oder den Eigenverbrauch. 

Die entsprechende Umrüstung, Modernisierung und Ergänzung um Stromspeicher bietet erhebliche Chancen für Industrie und Installateure. An den Zubauzahlen lässt sich das zum Teil schon ablesen.


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PV-Zubau Eigenheim: Vorjahr eingeholt, Tendenz steigend

Im Berichtsmonat Juli wurden inklusive der erwarteten Nachmeldungen über 47.000 Residential-PV-Anlagen im Segment 5–25 kWp installiert – der stärkste Monatswert des Jahres, zum vierten Mal in Folge ein Anstieg. Im Jahresverlauf stehen damit von Januar bis Juli 2026 über 237.000 Anlagen zu Buche und damit das Niveau des Vorjahreszeitraums (Jan–Jul 2025: ca. 238.200).  

Seit März liegt der Zubau teilweise deutlich über den jeweiligen Vorjahresmonaten. Setzt sich das fort, halte ich für das Gesamtjahr inzwischen ein Plus von 10 Prozent und mehr für realistisch. 

Speichermarkt Eigenheim: Erstmals mehr als ein Speicher pro Anlage

Im Residential-Speichersegment (5–25 kWh) wurden im Juli gut 47.000 Systeme installiert – praktisch gleichauf mit dem PV-Zubau. Im Jahresverlauf kommen wir auf knapp 245.000 Systeme, 6 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr erwarte ich einen Zuwachs von 10 Prozent auf rund 425.000 Systeme

Die für mich spannendste Zahl des Monats ist aber die Speicherquote: Sie liegt – rollierend über sechs Monate – inzwischen bei rund 103 Prozent. Rechnerisch kommt auf jede neue Hausdachanlage also mehr als ein Speicher, weil zusätzlich kräftig im Bestand nachgerüstet wird. Der Speicher ist im Eigenheim endgültig vom Zubehör zum Herzstück geworden. 

Und das ist erst der Anfang. Wenn die Einspeisung künftig kaum noch etwas bringt, wandert der Wert der Anlage komplett in den Eigenverbrauch und die Speicher im Keller werden noch einmal deutlich größer. Der anhaltende Trend zu Einheiten im Bereich 10–25 kWh, getrieben von Nachrüstungen und dynamischen Stromtarifen, zeigt genau dorthin. 

Methodischer Hinweis: Wie im letzten Update sind alle erkennbaren Speicher zu Balkonkraftwerken aus den Zahlen herausgerechnet. Betrachtet werden nur Systeme über 2 kW Leistung und 3 kWh Kapazität.

Gewerbe-PV über 25 kWp: Das Sorgenkind bleibt das Sorgenkind

Bei den gewerblichen PV-Anlagen über 25 kWp wurden im Juli gut 3.300 Anlagen gemeldet – rund 400 weniger als im Juli des Vorjahres. Im Jahresverlauf stehen von Januar bis Juli rund 17.000 Anlagen zu Buche, ein Minus von 27 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Meine Prognose für das Gesamtjahr passe ich auf 28.000 Anlagen an – das wären 18 Prozent weniger als 2025, das sich seinerseits bei knapp 35.000 Anlagen und damit 17 Prozent unter 2024 stabilisiert. 

Die durchschnittliche Anlagengröße hält sich stabil bei rund 113 kWp – es werden also nicht kleinere Projekte gebaut, sondern schlicht weniger. Zinsniveau, Netzanschluss und zögerliche Investitionsentscheidungen bremsen weiter. Ob das beschlossene Netzanschlusspaket mit schnelleren Verfahren und priorisierbaren Anschlussbegehren hier Druck aus dem Kessel nimmt, werden wir frühestens 2027 in den Zahlen sehen. 

Am oberen Ende bleibt das Bild dagegen bemerkenswert lebendig: Im Juli wurden 36 Dachanlagen über 1 MWp mit zusammen gut 71 MWp gemeldet. 

Gewerbespeicher: Boom Boom Boom – Prognose steigt auf 19.000 Systeme

Im letzten Update habe ich noch gefragt: „Ist das schon ein Boom?“ Die Antwort des Juli ist eindeutig. Über 2.700 Systeme über 25 kWh wurden installiert – noch einmal deutlich mehr als in den ohnehin starken Vormonaten. Von Januar bis Juli kommen wir auf über 10.200 Systeme, ein Plus von 88 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Dynamik beschleunigt sich also weiter – nach 67 Prozent im Mai und 76 Prozent im Juni. 

Entsprechend hebe ich die Jahresprognose erneut an: Ich erwarte für 2026 jetzt rund 19.000 Systeme mit etwa 10 GWh Kapazität – nach 17.000 in der letzten Schätzung. Zur Einordnung: 2025 lag die neu installierte Kapazität bei rund 2,3 GWh, nachdem sie sich gegenüber 2024 bereits verdoppelt hatte. Wir reden hier also über eine Vervierfachung der Kapazität in einem Jahr. 

Getragen wird das Kapazitätswachstum stark von Großprojekten: 23 Großspeicher über 5 MWh mit insgesamt über 615 MWh wurden im Juli gemeldet – darunter ein 15-MWh-Eigenverbrauchsspeicher der Bäckerei Coppenrath & Wiese und ein Speicher mit gut 172 MWh an einem Solarpark im sächsischen Beilrode. Wenn selbst die Tiefkühltorte jetzt einen Großspeicher hat, ist das Thema endgültig im Mittelstand angekommen. 

Für klassische Installations- und Fachbetriebe bleibt der Sweetspot das Segment 25–500 kWh: Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung und Notstrom für Gewerbekund*innen – hohe Wertschöpfung bei überschaubarer Projektkomplexität. Genau hier entsteht gerade das Wachstum, das der Gewerbe-PV-Markt bei den Stückzahlen vermissen lässt.

Marktanteile Speicher: Huawei rutscht ab, die “Kleinen” greifen an

Bei den Speicher-Marktanteilen setzt sich die Verschiebung fort, die wir seit Monaten beobachten. Der auffälligste Verlierer ist Huawei: Vor einem Jahr noch mit rund 13 Prozent klar auf Platz zwei, ist der Anteil inzwischen auf 9 Prozent gefallen. Sungrow hält sich dagegen stabil bei rund 11 Prozent und hat den zweiten Platz übernommen. 

Die eigentliche Geschichte spielt aber dahinter: Die vermeintlich Kleinen holen kontinuierlich auf. Fronius hat seinen Anteil binnen zwölf Monaten von 2 auf 7 Prozent mehr als verdreifacht und schiebt sich damit auf Platz vier. Sigenergy verdoppelt von 3 auf 6 Prozent, E3/DC wächst stetig auf 4 Prozent. 

Auch in der reinen 2026er-Betrachtung bestätigt sich das Bild – dort liegt Fronius bereits bei 9 Prozent. In der Monatsbetrachtung liegt nun auch SolarEdge wieder über 5% vor Ecoflow und E3/DC.

Ich lese daraus zweierlei. Erstens: Installateur*innen entscheiden sich zunehmend für Systeme, bei denen Wechselrichter, Speicher und Energiemanagement aus einem Guss kommen – genau die Plattformen, mit denen Fronius und Sigenergy gerade gewinnen. 

Zweitens: In einem Markt, der sich vom Einspeisen zum intelligenten Eigenverbrauch dreht, wird Systemkompetenz zum Kaufargument – und da punkten gerade die Anbieter mit enger Installateurs-Bindung und starkem Service. Der Preis allein zieht nicht mehr. 

Fazit: Was jetzt wichtig wird

  • Die EEG-Novelle nimmt Form an – ist aber noch nicht Gesetz. Bundestag, Bundesrat und EU-Genehmigung stehen aus, Details können sich ändern. Die Richtung steht: weg von der Einspeisung, hin zu Eigenverbrauch, Speicher, intelligenter Steuerung und Direktvermarktung. 

  • 2026 könnte das Jahr der letzten 20-Jahres-Vergütung sein. Wer Kund*innen hat, denen die feste Vergütung wichtig ist: jetzt bauen. Vorsicht: 2027 könnte es im Eigenheimsegment zu einem Einbruch kommen. 

  • Residential dreht ins Plus. Stärkster Monat des Jahres, Vorjahr eingeholt, fürs Gesamtjahr sind 10 Prozent Plus oder mehr drin.  

  • Der Speicher ist das neue Zentrum der Anlage. Speicherquote über 100 Prozent, Trend zu größeren Einheiten. Berate ab sofort vom Speicher aus, nicht vom Dach – und denk Wärmepumpe, Klima und E-Auto gleich mit. 

  • Gewerbespeicher sind die Wachstumschance des Jahres. 88 Prozent über Vorjahr, Prognose auf 19.000 Systeme und 10 GWh erhöht. Der Sweetspot 25–500 kWh gehört den Fachbetrieben. 

  • Bei den Herstellern lohnt der zweite Blick. Huawei verliert kontinuierlich, Fronius, Sigenergy, SolarEdge und E3/DC gewinnen. Systemplattformen mit Energiemanagement schlagen Einzelkomponenten.


Quellen: Die aktuellen Zubauzahlen stammen aus dem Marktstammdatenregister (MaStR) mit Stand vom 1. August 2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Anlagen sowie Speicher (nur Systeme über 2 kW Leistung und 3 kWh Kapazität; Speicher zu Balkonkraftwerken herausgerechnet); Juli-Werte inklusive erwarteter Nachmeldungen. Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow. EEG-Novelle und Netzanschlusspaket: Kabinettsbeschluss vom 29. Juli 2026, Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie; Gesetzgebungsverfahren zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht abgeschlossen.

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