• Suche
  • Events
  • Benachrichtigungen
  • Favoriten
  • Konto
  • Warenkorb

Partystimmung in München, aber warum eigentlich? Und: EEG-Novelle lässt auf sich warten

Partystimmung nach 2 miesen Jahren. Es könnte ein kurzer Spaß bleiben.

solar_markt_juni
Aktualisiert am 13. Juli 2026
13 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Wie jedes Jahr trifft sich die Branche auf der Intersolar-Messe in München. Dieses Jahr im Juni bei Temperaturen jenseits der 30 Grad, was so manche ganz schön ins Schwitzen brachte. 

Vielleicht wurde auch deshalb auf den After-Messe-Partys das ein oder andere Kaltgetränk mehr getrunken – eine gewisse Partystimmung war jedenfalls nach zwei richtig miesen Jahren für die gesamte Branche nicht zu übersehen. Es geht wieder aufwärts, so die einhellige Meinung, zumindest kurzfristig, die Party haben wir uns verdient!

Bei genauerer Betrachtung fragt man sich dann aber schon, wieso die Stimmung so ausgelassen war, denn gleich mehrere Themen hängen wie ein Damoklesschwert über der Branche: (Noch immer kein) neues EEG, Verbannung chinesischer Wechselrichter aus Europa, Konsolidierung bei Modulherstellern und ein Markt, der aktuell quasi nicht wächst.

Obendrauf kommt jetzt noch das überarbeitete “Wärmepumpengesetz”, das zwar grundsätzlich sinnvoll ist, aber wohl erneut zu einer deutlichen Verunsicherung der Verbraucher*innen führen wird.

Auf die Frage “Wie seht ihr denn die nächsten 6 Monate und was erwartet ihr für 2027?” begegnete einem regelmäßiges Schulterzucken, Augenrollen oder schlicht die Antwort: “Wir wissen es nicht.” Und ich bin ganz ehrlich, ich habe derzeit auch keine zufriedenstellende Antwort auf diese Frage.

Ein paar Dinge scheinen aber klar: 

  • Der Eigenheimmarkt könnte im nächsten Jahr eine erneute Delle erleiden. 

  • Der Gewerbespeichermarkt wächst rasant weiter. 

  • Die EU hätte gerne mehr Wechselrichter und Speicher aus europäischer Produktion im Feld. 

  • Wir befinden uns in einem Multi-Channel Markt mit vielfältigen Vertriebsmodellen und weitestgehend ohne Spielregeln. 

Jetzt zum positiven: Der Juni ist mit knapp 40.000 Eigenheim-Anlagen der stärkste Monat des Jahres, der Rückstand zum Vorjahr schmilzt auf 5 Prozent. Der Gewerbespeichermarkt bleibt das dynamischste Segment und wächst im Jahresverlauf um 76 Prozent – die Jahresprognose steigt auf 17.000 Systeme. 

Hier bieten sich also einige Chancen und mal ganz ehrlich, 40.000 Systeme in einem Monat ist immer noch eine ziemlich beeindruckende Zahl! Darauf ein bayrisches “Prost”. 

PV-Zubau Eigenheim: Stärkster Monat des Jahres

Im Berichtsmonat Juni wurden inklusive der erwarteten Nachmeldungen knapp 40.000 Residential-PV-Anlagen im Segment 5–25 kWp installiert – der stärkste Monatswert im laufenden Jahr und der dritte Monat in Folge mit steigender Tendenz. 

Im Jahresverlauf stehen damit von Januar bis Juni 2026 rund 186.700 Anlagen zu Buche – nur noch 5 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum (Jan–Jun 2025: ca. 197.400). Zur Erinnerung: Nach den außergewöhnlich kalten Monaten Januar und Februar lag der Rückstand zwischenzeitlich bei 11 Prozent. Seit März bewegt sich der Zubau durchgehend über dem jeweiligen Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr erwarten wir daher nun ein Ergebnis etwa auf Vorjahresniveau. 

Zum Vergleich: Im Boomjahr 2023 wurden von Januar bis Juni noch rund 334.700 Anlagen installiert, 2024 waren es rund 289.400. Der Markt hat sich auf einem deutlich höheren Niveau als 2022 (damals ca. 127.900 Anlagen im gleichen Zeitraum) normalisiert und zeigt eine belastbare Grundnachfrage. 

Speichermarkt Eigenheim: Rückstand aufgeholt, erstmals über Vorjahr

Im Juni wurden im Residential-Speichersegment (5–25 kWh) gut 40.000 Systeme installiert – auch hier der stärkste Monatswert des Jahres. Im Jahresverlauf kommen wir damit auf über 195.000 Systeme und liegen 2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum (Jan–Jun 2025: ca. 191.600). Der Rückstand aus Januar und Februar ist damit mehr als aufgeholt. Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Zuwachs von rund 5 Prozent. 

Methodischer Hinweis: Ab dieser Auswertung sind alle erkennbaren Speicher zu Balkonkraftwerken aus den Zahlen herausgerechnet. Die im letzten Update beschriebene Verschiebung – Speichersysteme von Balkonkraftwerk-Herstellern, deren Kapazität die zugehörige PV-Leistung deutlich übersteigt – hatte das Bild zunehmend verzerrt. Die bereinigte Betrachtung zeigt den klassischen Heimspeichermarkt jetzt noch schärfer. 

Der Trend zu größeren Einheiten im Segment 10–25 kWh hält an. Treiber bleiben Nachrüstungen bei Bestandsanlagen, wachsende Nachfrage nach Netzunabhängigkeit und dynamische Stromtarife, die größere Speicher wirtschaftlich attraktiver machen. Sofern das EEG ab 2027 keine Einspeisevergütung mehr vorsieht, ist davon auszugehen, dass die Speicher im Keller noch einmal deutlich größer werden!  

Gewerbe-PV >25 kWp: Stückzahlen weiter unter Vorjahr

Bei den gewerblichen PV-Anlagen über 25 kWp wurden im Berichtsmonat Juni rund 2.360 Anlagen gemeldet – etwa 250 weniger als im Juni des Vorjahres. Im Jahresverlauf stehen von Januar bis Juni 2026 rund 13.635 Anlagen zu Buche, ein Rückgang von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Jun 2025: ca. 19.500). Die Prognose für das Gesamtjahr bleibt bei gut 27.000 Anlagen, das wären 22 Prozent weniger als 2025. 

Der Strukturwandel hin zu weniger, aber größeren Projekten setzt sich fort: Im Juni wurden 27 Dachanlagen über 1 MWp mit insgesamt gut 57 MWp gemeldet – darunter zwei Anlagen von Amazon mit zusammen 4,3 MWp sowie Projekte von Kaufland, Deutscher Post, Kölnmesse und drei Anlagen von Hövelmann Logistik mit je 1,8 MWp. Das Bild aus den Vormonaten bestätigt sich: Handel, Logistik und Industrie treiben das Großanlagen-Segment. 

Gewerbespeicher: Ist das schon ein BOOM? 76 Prozent über Vorjahr – Prognose steigt auf 17.000 Systeme

Der Gewerbespeichermarkt bleibt das mit Abstand dynamischste Segment im deutschen PV-Umfeld. Im Juni wurden über 1.800 Systeme über 25 kWh installiert. Von Januar bis Juni kommen wir damit auf 7.670 Systeme – ein Plus von 76 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Jun 2025: 4.364 Systeme). Die Wachstumsdynamik hat sich gegenüber dem letzten Update (67 Prozent) sogar noch beschleunigt. 

Die Jahresprognose steigt entsprechend: Wir erwarten für 2026 jetzt rund 17.000 Systeme mit insgesamt rund 10 GWh Kapazität – nach 16.000 Systemen in der letzten Schätzung. Zur Einordnung: 2025 lag die neu installierte Kapazität bei rund 2,3 GWh. 

Das Kapazitätswachstum wird stark von Großprojekten getragen: Im Juni wurden 15 Großspeicher über 5 MWh mit insgesamt über 530 MWh gemeldet – darunter zwei Speicher mit je 102 MWh im Chemiepark Leuna und ein Speicher mit 110 MWh in Alfeld. Solche Projekte werden überwiegend von spezialisierten Projektentwicklern umgesetzt. 

Für klassische Installations- und Fachbetriebe liegt der Sweetspot weiterhin im Segment 25–500 kWh: Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung und Notstromlösungen für Gewerbe- und Industriekund*innen sind ein wachsender Markt mit hoher Wertschöpfung und überschaubarer Projektkomplexität. 

Marktanteile Speicher: SMA erstmals in den Top 10

Die Verschiebungen in den Speicher-Marktanteilen setzen sich fort. BYD bleibt Marktführer, verliert aber weiter kontinuierlich Anteile. Sungrow hat sich stabil auf Platz zwei etabliert, Huawei verliert ebenfalls weiter und liegt auf Platz drei. 

Fronius, Sigenergy und E3/DC haben in den letzten Monaten weiter dazugewonnen – Fronius hat seinen Anteil binnen zwölf Monaten in etwa vervierfacht und liegt inzwischen auf Platz vier. Beide Aufsteiger profitieren vom Trend zu All-in-One-Systemen und einer wachsenden Installateur*innen-Basis, die gezielt auf diese Plattformen setzt. 

Bemerkenswert: SMA taucht in der 12-Monats-Betrachtung erstmals in den Top 10 auf. Der Heimspeicher-Markteintritt des deutschen Wechselrichter-Herstellers zeigt damit messbare Wirkung. 

Intersolar 2026: Volle Hallen, klare Botschaft

Vom 23. bis 25. Juni fand die Intersolar Europe als Teil der The smarter E Europe auf der Messe München statt – mit rund 2.800 Ausstellern und über 100.000 Fachbesucher*innen erneut Europas größte Plattform der Solar- und Energiewirtschaft. Wir waren mit dem Memodo-Team vor Ort, und drei Eindrücke stechen für uns heraus: 

Speicher dominieren die Hallen. Großspeicher und Hybridlösungen haben das Eigenheim-Segment als Innovationstreiber abgelöst. Die Aussteller-Schwerpunkte spiegeln exakt das, was wir monatlich in den MaStR-Zahlen sehen: Das Wachstum verlagert sich in Richtung Gewerbe- und Großspeicher – vom reinen Produktverkauf hin zu Systemintegration, Energiemanagement und Vermarktungsmodellen. 

Die Branche wird erwachsen. Der Grundton der Messe: Die Phase des mühelosen Wachstums ist vorbei, jetzt zählen Effizienz, Servicequalität und Systemkompetenz. Günstige Module allein sind kein Geschäftsmodell mehr – entscheidend ist, wer PV, Speicher, Wallbox und Wärmepumpe zu einem wirtschaftlichen Gesamtsystem verbindet. Für Installateur*innen und Fachbetriebe ist das eine gute Nachricht: Genau diese Systemkompetenz ist eure Stärke gegenüber reinen Preis-Anbietern. 

Geopolitik bleibt Preisfaktor. Chinas Exportpolitik und globale Produktionsüberkapazitäten prägen weiterhin Preise und Lieferketten, dazu kommen Handelskonflikte als Unsicherheitsfaktor. Bauteil-Verfügbarkeit und Preisstabilität bleiben damit Themen. Zudem ist absehbar, dass zukünftige Förderungen einen “Made-in-EU" Ansatz verfolgen werden. Insbesondere asiatische Hersteller könnte das vor einige Herausforderungen stellen. 

Politisches Umfeld: EEG-Novelle weiter in der Warteschleife

Das politisch beherrschende Thema der Branche bleibt die geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Der Stand zum Zeitpunkt dieser Veröffentlichung (Stand 13. Juli 2026): 

Der Kabinettsbeschluss verzögert sich erneut. Die EEG-Novelle und das Netzpaket sollten ursprünglich Anfang Juni, dann am 24. Juni das Bundeskabinett passieren. Beide Termine sind verstrichen – laut aktueller Kabinettzeitplanung gibt es weiterhin keinen festen Beschlusstermin, angepeilt ist nun ein Beschluss im Juli. Vor dem Kabinett steht zudem noch die Länder- und Verbändeanhörung aus. Danach folgen Bundestag, Bundesrat und die beihilferechtliche Genehmigung durch die EU-Kommission. 

Der Kern des Streits: Das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche plant, die feste Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen bis 25 kWp abzuschaffen und durch marktorientierte Modelle wie Direktvermarktung und Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD) zu ersetzen – geplantes Inkrafttreten ist der 1. Januar 2027. Das SPD-geführte Umweltministerium trägt die Kürzungen in dieser Form bisher nicht mit; auch der sogenannte Redispatch-Vorbehalt im Netzpaket ist zwischen den Ministerien strittig. Hintergrund der Reform ist unter anderem eine EU-Vorgabe: Ab dem 17. Juli 2027 verpflichtet die EU-Verordnung 2024/1747 die Mitgliedstaaten, neue geförderte Anlagen über zweiseitige CfDs abzusichern. 

Was heute gilt: Für Neuanlagen liegt die Vergütung bei 7,78 ct/kWh (Teileinspeisung bis 10 kWp) beziehungsweise 12,34 ct/kWh (Volleinspeisung) – gültig bis 31. Juli 2026, zum 1. August steht die nächste turnusmäßige Degression um ein Prozent an. Anlagen, die 2026 in Betrieb gehen, sichern sich die Vergütung nach aktueller Rechtslage für 20 Jahre. Seit dem Solarspitzengesetz gilt außerdem: In Zeiten negativer Börsenstrompreise entfällt die Vergütung, die Zeiträume werden an das Ende des Förderzeitraums angehängt. 

Unsere Einordnung: Solange die Novelle nicht beschlossen ist, gilt sie nicht – ein Gesetzesentwurf ist kein geltendes Recht, und am Entwurf kann sich im parlamentarischen Verfahren noch einiges ändern. Klar ist aber: Die Diskussion selbst wirkt bereits auf den Markt. Kund*innen fragen nach, ob sich PV noch lohnt. Die Wirtschaftlichkeit verschiebt sich strukturell vom reinen Einspeisen zum Eigenverbrauch: Speicher, dynamische Stromtarife und Sektorenkopplung (Wärmeerzeuger, Klimageräte und E-Autos) werden wichtiger, nicht unwichtiger. Wer 2026 baut, sichert sich zudem noch die aktuelle Förderlogik. 

Fazit: Was jetzt wichtig wird

  • Residential stabilisiert sich auf solidem Niveau. Der Juni ist der stärkste Monat des Jahres, der Vorjahresrückstand schmilzt auf 5 Prozent. Für das Gesamtjahr zeichnet sich ein Ergebnis auf Vorjahresniveau ab, aber: Aktuell ist völlig unklar wie es 2027 weitergeht.  

  • Heimspeicher drehen ins Plus. 2 Prozent über Vorjahr im Jahresverlauf, rund 5 Prozent Plus fürs Gesamtjahr erwartet. Nachrüstungen und größere Systeme bleiben die Treiber. 

  • Gewerbespeicher beschleunigen weiter. 76 Prozent Plus im Jahresverlauf, Prognose auf 17.000 Systeme und 10 GWh angehoben – das Segment ist der klare Wachstumstreiber 2026. 

  • Gewerbe-PV verliert Stückzahlen, gewinnt Projektgröße. Minus 30 Prozent bei den Meldungen, aber Großanlagen von Handel, Logistik und Industrie prägen das Bild. Komplexität und Wert pro Projekt steigen. 

  • Die EEG-Unsicherheit ist Beratungsthema Nummer eins. Wer sich noch 20 Jahre Vergütung sichern will, der sollte jetzt bauen. Wie es genau ab 2027 weitergeht, ist unklar. PV und Speicher werden aber auch mit neuem EEG sinnvoll bleiben, insbesondere bei kluger Koppelung mit Wärmeerzeugern und E-Autos. 

     

Quellen: Die aktuellen Zubauzahlen stammen aus dem Marktstammdatenregister (MaStR) mit Stand 1. Juli 2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Anlagen sowie Speicher. Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow. Autor: Daniel Schmitt, Gründer und Geschäftsführer Memodo. 

Marktstammdatenregister (Stand 1. Juli 2026, Auswertung Michail Agrusow); The smarter E Europe / Intersolar Europe, Messe München, 23.–25. Juni 2026; ZFK Energiegesetze-Ticker (Stand 3. Juli 2026); pv magazine Deutschland zur EEG-Novelle (26. Mai 2026); Bundesnetzagentur (EEG-Fördersätze). 

Das könnte dich auch interessieren
Benachrichtigungen werden geladen ...
Benachrichtigungen
    Unerwarteter Fehler.