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PV-Modul-Markt im Umbruch

PV-Modul-Markt im Umbruch
Aktualisiert am 01. Januar 2024
9 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Was Installateur*innen jetzt wissen müssen

Die Photovoltaik-Branche erlebt Anfang 2026 eine der turbulentesten Phasen seit Jahren. Politische Entscheidungen aus China, stark steigende Silberpreise und milliardenschwere Verluste bei großen Herstellern bringen den Markt spürbar in Bewegung. In diesem Beitrag ordnen wir die aktuelle Situation entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein und zeigen dir, worauf es in den kommenden Monaten ankommt.

Der Wendepunkt: Chinas neue Exportpolitik

Am 9. Januar 2026 hat das chinesische Finanzministerium eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen bekannt gegeben: Ab dem 1. April 2026 entfällt die Mehrwertsteuer-Rückerstattung für den Export von Photovoltaik-Produkten vollständig. Betroffen sind insgesamt 249 Exportprodukte, darunter Solarzellen und Module. Für Batterieprodukte wird die Rückerstattung zunächst von 9 % auf 6 % reduziert und ab Januar 2027 ebenfalls vollständig gestrichen.

Diese Kehrtwende markiert einen klaren Bruch mit der bisherigen Förderstrategie Chinas. Branchenexpert*innen werten sie als deutliches Signal: Die Phase der subventionierten Überproduktion neigt sich dem Ende zu. Die Auswirkungen auf den europäischen Markt sind bereits spürbar und dürften sich in den kommenden Quartalen weiter verstärken.

Preisexplosion im Januar: Drei Erhöhungen in drei Wochen

Die angekündigten Steueränderungen haben bei den Modulherstellern eine unmittelbare Reaktion ausgelöst. Allein im Januar kam es zu drei aufeinanderfolgenden Preiserhöhungen mit einem Gesamtplus von rund 22 % – zunächst 10 %, dann 5 % und schließlich weitere 7 %.

Damit steht die Entwicklung im starken Kontrast zum Dezember 2025, als Modulpreise noch stabil bei durchschnittlich 0,11 €/Wp lagen.

Preisübersicht

ZeitraumDurchschnittspreis (€/Wp)Veränderung
Dezember 20250,11Ausgangsbasis
Januar 2026 – Woche 10,12+10 %
Januar 2026 – Woche 20,13+5 %
Januar 2026 – Woche 30,13 – 0,14+7 %

Die Hersteller kommunizieren offen das Ziel, den durchschnittlichen Verkaufspreis bis Ende 2026 auf 0,17 bis 0,18 €/Wp anzuheben. Diese Anpassung soll schrittweise über die nächsten zwei bis drei Quartale erfolgen und dient vor allem dazu, die massiven Verluste aus dem Vorjahr auszugleichen. Ob sich dieses Preisniveau dauerhaft durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten.

Milliardenverluste bei den Branchenriesen

Wie dringend die Preisanpassungen sind, zeigen die aktuellen Finanzzahlen führender chinesischer Hersteller. Fünf der größten PV-Unternehmen – Longi, Tongwei, JA Solar, TCL Zhonghuan und Aiko – prognostizieren für das Geschäftsjahr 2025 Verluste zwischen 28,9 und 32,8 Mrd. RMB, was rund 4,1 bis 4,7 Mrd. US-Dollar entspricht.

Prognostizierte Verluste 2025

UnternehmenVerlust
Longi Green Energy6,0–6,5 Mrd. RMB
Tongweica. 3,5 Mrd. RMB
JA Solar4,5–4,8 Mrd. RMB
TCL Zhonghuanca. 4,0 Mrd. RMB
Aiko Solarca. 3,5 Mrd. RMB

Die Gründe sind vielfältig: ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, anhaltender Preisverfall bei Endprodukten und stark steigende Rohstoffkosten – insbesondere bei Silber und Polysilizium – haben die Margen massiv unter Druck gesetzt.

Der Silberpreis als Kostentreiber

Ein zentraler Treiber der aktuellen Preisdynamik ist der Silberpreis. Am 28. Januar 2026 überschritt Silber an der Shanghai Futures Exchange die Marke von 29.000 RMB/kg – ein Anstieg von mehr als 6.000 RMB/kg innerhalb nur einer Woche.

Für die Zellproduktion ist das hochrelevant: Silberpaste macht inzwischen bis zu 30 % der gesamten Zellkosten aus. Der Preisanstieg führte zu einer Erhöhung der steuerinklusive Zellkosten um etwa 0,05 RMB/W. Diese Mehrkosten werden entlang der Wertschöpfungskette weitergegeben – mit spürbaren Auswirkungen bis hin zum Modulpreis.

Analyse der Wertschöpfungskette

Polysilizium: Überangebot trotz Produktionskürzungen

Die Polysilizium-Lagerbestände liegen aktuell bei über 510.000 Tonnen und steigen weiter. Zwar haben große Produzenten wie Tongwei im Januar 2026 Produktionsstopps oder -kürzungen eingeleitet, doch die erwartete monatliche Produktion von rund 80.000 Tonnen im ersten Quartal reicht nicht aus, um den Überschuss kurzfristig abzubauen.

Entsprechend stehen die Preise unter Druck. Große Produzenten notieren bereits unter 55 RMB/kg, während bei kleineren Anbietern Marktpreise bis zu 45 RMB/kg kursieren.

Wafer: Hohe Lagerbestände belasten den Markt

Auch bei Wafern bleiben die Lagerbestände mit über 22 GW auf einem hohen Niveau. Hauptgrund ist die weiterhin hohe Auslastung der Ingot-Anlagen, die das Angebot zusätzlich erhöht.

Durchschnittspreise für Wafer

Wafer-TypPreis (RMB/W)
183 mmca. 1,25
210Rca. 1,35
210 mmca. 1,55

Tier-2- und Tier-3-Anbieter liegen in der Regel etwa 0,05 RMB/W oder mehr unter diesen Preisen.

Zellen: Silber als entscheidender Wettbewerbsfaktor

Die Zelllagerbestände bewegen sich aktuell bei etwa sechs bis acht Tagen und gelten damit als stabil. Der sprunghafte Anstieg der Silberpreise hat jedoch zu einer klaren Spreizung im Markt geführt.

Hersteller ohne ausreichende Silbervorräte stehen vor der Entscheidung, die Produktion zu drosseln oder auf Lohnfertigung umzusteigen. Mainstream-Transaktionspreise liegen inzwischen bei rund 0,42 RMB/W, während Tier-1-Produzenten 0,43 bis 0,45 RMB/W aufrufen. Der Zugang zu günstigem Silber wird damit zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

Module: Exportboom vor dem Stichtag

Im Modulsektor ist aktuell ein deutlicher Lieferanstieg zu beobachten. Auslöser sind die bevorstehenden Änderungen bei der Exportsteuer-Rückerstattung. Während die chinesische Binnennachfrage schwach bleibt, ziehen Überseemärkte ihre Beschaffung deutlich vor.

Preisniveaus nach Marktsegment

SegmentPreisspanne
Distribution China0,80–0,88 RMB/W
Transaktionen China0,75–0,80 RMB/W
Nicht-China-Märkte0,10–0,13 USD/W

Die Liefermengen im ersten Quartal 2026 werden voraussichtlich vor allem von Nicht-China-Märkten getragen.

Back-Contact-Technologie: Gewinner der Silberkrise?

Eine besonders spannende Entwicklung in der aktuellen Marktlage ist der Aufstieg der Back-Contact-Technologie. Der Hersteller AIKO nutzt die Situation gezielt, um Marktanteile auszubauen. Auch SolarFabrik und Longi liefern inzwischen Back-Contact-Module.

Der entscheidende Vorteil: BC-Module benötigen deutlich weniger Silber als klassische TOPCon-Module, da sie ohne Frontseiten-Finger und Busbars auskommen. Dadurch bleiben sie trotz steigender Silberpreise preislich wettbewerbsfähig.

Innerhalb von nur sieben Tagen nach einer Preisreduzierung im Projektgeschäft konnte AIKO mehr als 1 GW an Aufträgen generieren. Für Installateur*innen heißt das: Back-Contact-Module sind eine ernstzunehmende Alternative – auch für größere C&I-Projekte.

Ausblick: Was erwartet uns nach dem chinesischen Neujahr?

Nach dem chinesischen Neujahrsfest wird mit einer gewissen Marktberuhigung gerechnet. Mehrere Faktoren sprechen dafür:

  • Stabilisierung des Silberpreises reduziert den Kostendruck
  • Wechselkurseffekte beeinflussen die Exportpreise
  • Sinkende Frachtkosten, da große Teile des Q1- und Q2-Volumens bereits verschifft sind
  • Normalisierung von Angebot und Nachfrage

Expert*innen erwarten eine Preisstabilisierung auf einem Niveau von etwa 12 bis 13 ct €/Wp – allerdings bei weiterhin hoher Unsicherheit.

Handlungsempfehlungen für Installateur*innen

Die aktuelle Marktsituation erfordert ein aktives und strategisches Vorgehen:

1. Lagerstrategie überdenken
Eine vorausschauende Lagerhaltung wird entscheidend. Prüfe deine Bestände und wäge ab, ob eine gezielte Aufstockung vor weiteren Preisanpassungen sinnvoll ist – ohne das Risiko von Überbeständen aus dem Blick zu verlieren.

2. Kundenkommunikation intensivieren
Transparenz schafft Vertrauen. Informiere deine Kund*innen frühzeitig über Marktentwicklungen und erkläre Hintergründe möglicher Preisänderungen klar und verständlich.

3. Technologische Alternativen prüfen
Die aktuelle Lage zeigt, wie wichtig technologische Vielfalt ist. Back-Contact-Module können – je nach Projekt – eine attraktive Alternative darstellen.

4. Lieferantenbeziehungen stärken
Gerade in volatilen Phasen sind stabile Partnerschaften ein klarer Vorteil. Eine enge Zusammenarbeit kann Versorgungssicherheit und bessere Konditionen ermöglichen.

5. Projektplanung anpassen
Berücksichtige die Preisvolatilität in deiner Kalkulation. Kürzere Angebotsgültigkeiten und Preisgleitklauseln helfen, Risiken zu minimieren.

Fazit

Der PV-Modul-Markt befindet sich klar im Umbruch. Politische Veränderungen in China, steigende Rohstoffkosten und die finanzielle Lage großer Hersteller sorgen für eine außergewöhnliche Preisdynamik. Für Installateur*innen bedeutet das Herausforderungen – aber auch neue Chancen.

Wer den Markt aufmerksam beobachtet, flexibel reagiert und Kundinnen kompetent berät, kann gestärkt aus dieser Phase hervorgehen. Die Energiewende bleibt ein Megatrend mit enormem Potenzial – und gut aufgestellte Energie:Expertinnen profitieren weiterhin von einer starken Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen.

Bei Memodo stehen wir dir dabei als verlässlicher Partner zur Seite. Wir beobachten die Marktentwicklung kontinuierlich und arbeiten eng mit Herstellern zusammen, um dir Planungssicherheit, faire Konditionen und eine zuverlässige Verfügbarkeit zu bieten.

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