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Berlin bremst – der Speichermarkt gibt Gas

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Aktualisiert am 05. Oktober 2026
13 Min. Lesezeit
Daniel Schmitt
Daniel Schmitt

Junge, junge, junge, bin ich aufgeregt! Morgen geht es los mit den Memodo Expert Days 2026 und es wird fetter als je zuvor! Wir haben schon weit über 1.000 Anmeldungen, mega Speaker und mehr Hersteller als jemals zuvor dabei.  

Bei den Expert Days berichte ich über „Sonne, Strom und Störfeuer“ und wir schauen uns an, was die Branche und den Markt wirklich bewegt. Dazu hörst du Neues von Hans-Josef Fell, Mitautor des EEG 2000, und wir zeigen dir konkrete Lösungsansätze für die Zeit nach der EEG-Novelle. München ist komplett ausgebucht. In Berlin (14.10.), Ilsede bei Hannover (28.10.), Köln (04.11.), Wien (11.11.) und Mainz (19.11.) gibt es noch ein paar freie Plätze – also komm vorbei! 

EEG-Novelle: Stand der Dinge

Vorab ein kurzer Blick nach Berlin. Im letzten Update hat die Politik noch Sommerpause gemacht. Die ist vorbei: Am 24.09. hat der Bundestag die EEG-Novelle und das Netzanschlusspaket in erster Lesung beraten. Einen Tag später hat der Bundesrat seine Stellungnahme abgegeben – mit umfangreichen Änderungswünschen. 

Beschlossen ist damit noch nichts, wir reden weiterhin über einen Gesetzentwurf. Die Verabschiedung ist bis Ende Oktober angestrebt. Der Zeitdruck kommt aus Brüssel: Die beihilferechtliche Genehmigung der EU für zentrale EEG-Regeln läuft zum Jahresende aus. 

Inhaltlich bleibt der Entwurf bei seiner Linie. Die feste Einspeisevergütung für neue kleine Dachanlagen soll perspektivisch wegfallen, nach einer Übergangsphase folgt die Direktvermarktung. Für uns besonders relevant ist die geplante dauerhafte Begrenzung der Einspeiseleistung kleinerer Dachanlagen auf 50 %. Genau die lehnt der Bundesrat zu Recht ab. Außerdem fordern die Länder eine längere und höhere Übergangszahlung und wollen die feste Vergütung so lange beibehalten, bis die Direktvermarktung auch für kleine Anlagen massentauglich funktioniert. Ob und wie der Bundestag darauf eingeht, ist offen. 

Inzwischen ist klar, wie die Bundesregierung reagiert: In ihrer Gegenäußerung vom 02.10. weist sie die Forderungen der Länder in wesentlichen Punkten zurück. An der Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine Dachanlagen und am stärkeren Fokus auf Freiflächen hält sie fest. Das letzte Wort hat jetzt der Bundestag. 

Auch außerhalb der Länderkammer reißt die Kritik nicht ab. Die spannendsten Einwürfe und Forderungen der letzten Wochen im Überblick: 

  • BSW-Solar: Grundlegend nachbessern. Der Bundesverband Solarwirtschaft fordert den Bundestag auf, EEG-Novelle und Netzpaket grundlegend zu überarbeiten. Millionen Menschen wollen selbst in Solarenergie investieren – Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig mahnt: „Der Gesetzgeber sollte ihnen dabei keine neuen Steine in den Weg legen.“ Rückenwind liefert eine Studie von Enervis: Solarstrom hat die Strombeschaffungskosten 2025 um rund 15,7 Mrd. € gesenkt. 

  • Solarhandwerk: Steuern statt kappen. Der Bundesverband des Solarhandwerks (BDSH) lehnt die pauschale 50-%-Begrenzung ab. Brisant: Sie betrifft auch die Leistung gekoppelter Batteriespeicher und bidirektional ladender E-Autos. Vorstandschef Peter Knuth fordert „intelligente Netze und keine pauschalen Abregelungen“. Die bisherige 60-%-Regel für nicht steuerbare Anlagen hält der Verband für die bessere Lösung, weil sie Anreize für Smart Meter setzt. 

  • BDEW: Speicher nicht ausbremsen. Sogar der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft lehnt die 50-%-Grenze ab. Sein Argument: Systemdienlich betriebene Anlagen wie Speicher oder Anlagen in der Direktvermarktung würden unnötig eingeschränkt. Außerdem kritisiert der BDEW, dass kleine Dachanlagen bis 50 kW nach 36 Monaten Übergang dauerhaft ohne Einspeisevergütung bleiben sollen. 

  • bne und Bürgerenergie: Netzanschluss sichern. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) und das Bündnis Bürgerenergie wehren sich gegen einen eingeschränkten Netzanschlussanspruch in Gebieten mit knappen Kapazitäten. Der bne will zudem den geplanten Redispatch-Vorbehalt streichen. Höhere Risiken beim Netzzugang könnten Finanzierung und Wirtschaftlichkeit von PV- und Speicherprojekten belasten. 

  • Neun Verbände: Risikopuffer für Differenzverträge. Verbände aus Energiewirtschaft und Handwerk fordern für die geplanten zweiseitigen Differenzverträge (Contracts for Difference, CfD) einen Marktwertkorridor. Bisher sieht der Entwurf keinen Puffer vor, falls eine Anlage weniger erlöst als der durchschnittliche Marktwert oder die Börsenpreise stark steigen. 

Mein Eindruck: Die Kritik kommt längst nicht mehr nur von den üblichen Verdächtigen. Wenn selbst der BDEW die 50-%-Grenze ablehnt, hat der Bundestag gute Argumente für Nachbesserungen. Ob er sie nutzt, entscheidet sich in den nächsten Wochen. 

Aber nun zu den Zahlen. Und die zeigen: Der Markt wartet nicht ab, er zieht vor. Im Eigenheim liegen PV und Speicher deutlich über Vorjahr, bei den Gewerbespeichern hat sich der Zubau fast verdoppelt. Nur die Gewerbe-PV auf dem Dach bleibt das Sorgenkind.  

Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow. Datenbasis ist das Marktstammdatenregister (MaStR) mit Stand 01.10.2026.

PV-Zubau Eigenheim: Plus 6 % nach neun Monaten

Im September sind im Segment 5–25 kWp inklusive der erwarteten Nachmeldungen über 40.000 Anlagen dazugekommen. Von Januar bis September summiert sich der Zubau damit auf rund 329.000 Anlagen. Das sind 6 % mehr als im Vorjahreszeitraum (311.300). Im letzten Update lag das Plus noch bei 3 %. 

Seit März liegt der monatliche Zubau zum Teil deutlich über Vorjahr. Wir rechnen jetzt für das Gesamtjahr mit einem Plus von 7 % oder mehr – das wären rund 435.000 Anlagen. 

Für mich ist das nicht nur ein Vorzieheffekt. Viele Endverbraucher wollen zwar die feste 20-jährige Einspeisevergütung noch mitnehmen und ihre Anlage 2026 in Betrieb nehmen, gleichzeitig wachsen aber zwei andere Märkte enorm: Wärmepumpen und E-Autos. Beide Märkte wachsen überdurchschnittlich und sie haben eines gemeinsam – sie brauchen günstigen Strom. PV liefert genau das. 

Ein Hinweis zur Datenlage: Für September ist der Anteil der erwarteten Nachmeldungen ungewöhnlich hoch. Die Monatszahl kann sich also noch spürbar bewegen. 

Heimspeicher: Prognose steigt auf 450.000

Noch stärker als die PV wachsen die Speicher. Im September sind im Segment 5–25 kWh ebenfalls über 40.000 Systeme installiert worden. Von Januar bis September kommen wir auf rund 342.700 Speicher – 13 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Im letzten Update waren es noch 8 %. 

Wir heben die Jahresprognose deshalb deutlich an: von 425.000 auf rund 450.000 Systeme, ein Plus von 14 %. Speicher zu Balkonkraftwerken sind in diesen Zahlen weitgehend herausgerechnet. 

Die Speicherquote (Verhältnis neuer Speicher zu neuen PV-Anlagen, 6 Monate rollierend) liegt stabil bei rund 103 %. Es kommen also weiterhin mehr Speicher dazu als neue PV-Anlagen. Der Grund: Viele Bestandsanlagen werden mit einem Speicher nachgerüstet.

Mit Blick auf die EEG-Novelle wird der Speicher noch wichtiger. Kommt tatsächlich die 50-%-Begrenzung der Einspeisung, steigt der Wert jeder selbst genutzten Kilowattstunde. Mein Rat: Plane den Speicher bei Neuanlagen im Zweifel eine Nummer größer und denk Energiemanagement, Wallbox und Wärmepumpe gleich mit.

MiSpeL: Speicher dürfen jetzt mischen

Die gute Nachricht kommt aus Bonn: Am 01.10. hat die Bundesnetzagentur die lang erwartete Festlegung zur Marktintegration von Speichern und Ladepunkten beschlossen, kurz MiSpeL. Bisher galt: Wer einen Heimspeicher mit Netzstrom lädt, verliert die EEG-Förderung für den gespeicherten Solarstrom. Damit ist jetzt Schluss. 

Speicher, Wallboxen und bidirektional ladende E-Autos dürfen Solar- und Netzstrom künftig gemeinsam nutzen. Die EEG-Förderung bleibt auch für zwischengespeicherten Solarstrom erhalten. Speist der Speicher zuvor bezogenen Netzstrom wieder ein, wird diese Menge saldiert – Kunden zahlen dafür weniger Umlagen und Netzentgelte. Die Regeln gelten auch für ungeförderte Anlagen und für Speicher ohne eigene Erzeugung.  

MiSpeL kennt drei Wege: die Ausschließlichkeits-, die Abgrenzungs- und die Pauschaloption. Für das Eigenheim-Geschäft ist vor allem die Pauschaloption spannend. Sie ist für PV-Anlagen bis 30 kWp gedacht und kommt mit nur einem Zähler aus. 

Der Haken: Netz- und Messstellenbetreiber haben bis 30.09.2027 Zeit für die Umsetzung. Bis dahin funktioniert MiSpeL nur, wenn beide zustimmen. Die Pauschaloption braucht außerdem noch die beihilferechtliche Genehmigung der EU-Kommission. Im Amtsblatt erscheint die Festlegung am 07.10. 

Für mich ist MiSpeL das spannende Gegenstück zur geplanten 50-%-Grenze: Der Speicher wird vom reinen Eigenverbrauchsoptimierer zum aktiven Player am Strommarkt, zum Beispiel mit dynamischen Stromtarifen. Mein Rat: Denk Messkonzept und Energiemanagement bei neuen Projekten schon jetzt mit. Versprich deinen Kunden aber noch keine Zusatzerlöse, solange der Netzbetreiber nicht mitzieht.

Gewerbe-PV: Das Sorgenkind bleibt

Bei den gewerblichen PV-Anlagen auf Gebäuden über 25 kWp ändert sich wenig. Im September wurden rund 2.300 Anlagen gemeldet, rund 200 weniger als im Vorjahresmonat. Von Januar bis September sind es rund 21.000 Anlagen und damit 22 % weniger als im Vorjahreszeitraum. 

Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose bei rund 27.000 Anlagen – ein Minus von 20 % gegenüber 2025 (gut 34.000). Die durchschnittliche Anlagengröße liegt bei rund 108 kWp (6 Monate rollierend).

Bei den großen Dächern tut sich trotzdem etwas: Im September wurden 21 Dachanlagen über 1 MWp mit zusammen gut 45 MWp gemeldet. Die Mehrheit dieser Anlagen läuft als Eigenverbrauchsanlage. Genau dieses Modell bleibt auch ohne feste Vergütung attraktiv.

Gewerbespeicher: Rekordmonat September

Das dynamischste Segment bleiben die Gewerbespeicher über 25 kWh. Im September wurden inklusive erwarteter Nachmeldungen über 3.000 Systeme installiert – so viele wie noch nie in einem Monat. Von Januar bis September summiert sich der Zubau auf rund 15.600 Systeme, das sind 91 % mehr als im Vorjahreszeitraum. 

Jahresprognose: Von 19.000 auf über 21.000 Systeme erhöht. Zum Vergleich: 2025 waren es gut 11.000. Bei der Kapazität rechnen wir mit rund 9 GWh (2025: 2,5 GWh). Die Kapazitätsprognose liegt damit etwas unter den 10 GWh aus dem letzten Update – der Grund sind weniger Großspeicher im September. 

Zwei Entwicklungen laufen hier parallel: 

  • Großspeicher treiben die Kapazität. Im September kamen 16 Speicher über 5 MWh mit zusammen über 350 MWh dazu (August: 24 mit über 773 MWh). Über 80 % der 2026 bisher gemeldeten Kapazität entfallen auf Speicher über 5 MWh. 

  • Die Stückzahl kommt aus einem anderen Segment. Rund 97 % der 2026 bisher gemeldeten Systeme haben 25–500 kWh. Besonders stark wächst die Klasse 250–500 kWh: Hier sind 2026 bereits 166 Systeme gemeldet, im gesamten Jahr 2025 waren es 96. 

Freiflächen: 6,7 GWp bis September

Bei den Freiflächenanlagen ab 100 kWp wurden 2026 bisher über 1.200 Anlagen mit 6,7 GWp gemeldet. Im September kamen 24 Anlagen über 10 MWp dazu, die größte davon mit knapp 58 MWp in Mecklenburg-Vorpommern. Laut Entwurf sollen Solarparks künftig höhere Ausschreibungsmengen bekommen, größere Dachanlagen dagegen weniger. Auch diese Verschiebung kritisiert der Bundesrat.

Fazit: Was jetzt wichtig wird

  • Das Zeitfenster 2026 nutzen. Wer die feste Einspeisevergütung noch mitnehmen will, muss die Anlage dieses Jahr in Betrieb nehmen. Plane Netzanmeldung und Inbetriebnahme frühzeitig ein. 

  • Eigenheim wächst verlässlich. PV liegt nach neun Monaten 6 % über Vorjahr, Speicher sogar 13 %. Die Prognosen für das Gesamtjahr steigen. 

  • Speicher größer denken. Die Speicherquote liegt über 100 %. Mit einer möglichen 50-%-Einspeisegrenze wird Eigenverbrauch zum zentralen Verkaufsargument. 

  • MiSpeL nutzen. Speicher dürfen künftig Solar- und Netzstrom mischen, ohne die Förderung zu verlieren. Kläre früh mit dem Netzbetreiber, ob er MiSpeL schon vor Herbst 2027 mitmacht. 

  • Gewerbespeicher als Wachstumstreiber. Plus 91 % nach neun Monaten, über 21.000 Systeme erwartet. Das Segment 25–500 kWh ist dein Sweetspot. 

  • EEG-Novelle im Blick behalten. Die Verabschiedung ist bis Ende Oktober angestrebt. Noch ist nichts beschlossen – viele Details können sich ändern. 

Für 2027 rechne ich weiterhin mit einer Delle im Eigenheim, wenn sich der Markt auf die neue Förderlogik einstellt. Umso wichtiger ist es, jetzt die Grundlagen zu legen: Speicher, Energiemanagement und Gesamtlösungen statt reiner PV-Anlagen. Als Energie:Experte bist du dafür genau richtig aufgestellt. 

Mehr zur EEG-Novelle und was sie für deine Projekte bedeutet, gibt es live bei den Memodo Expert Days. Alle Stationen und die Anmeldung findest du hier. Ich freue mich auf dich! 

Du suchst den passenden Speicher für dein nächstes Projekt? Stöbere durch unser Sortiment an Stromspeichern. 

Methodischer Hinweis: Die Auswertung basiert auf dem Marktstammdatenregister mit Stand 01.10.2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Systeme, nicht vom Hersteller verkaufte Speicher. Die Monatszahlen enthalten erwartete Nachmeldungen. Betrachtet werden nur Speicher mit mehr als 2 kW Leistung und mehr als 3 kWh Kapazität, Speicher zu Balkonkraftwerken sind damit weitgehend herausgerechnet. 

Die Auswertung basiert auf dem Marktstammdatenregister mit Stand 01.10.2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Systeme, nicht vom Hersteller verkaufte Speicher. Die Monatszahlen enthalten erwartete Nachmeldungen. Betrachtet werden nur Speicher mit mehr als 2 kW Leistung und mehr als 3 kWh Kapazität, Speicher zu Balkonkraftwerken sind damit weitgehend herausgerechnet. 

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