PV-Markt Deutschland: Residential erholt sich, Gewerbespeicher boomen weiter
Die aktuellen Zubauzahlen stammen aus dem Marktstammdatenregister mit Stand 1. Mai 2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Anlagen sowie Speicher – keine Herstellerverkäufe. Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Residential-Markt fängt sich, der Aprilwert liegt sogar leicht über dem Vorjahr. Im Gewerbe ziehen die Speicher auf Rekordniveau, die PV-Zubauzahlen holen einen Teil des Rückstands aus den Wintermonaten auf. Bei den Speicher-Marktanteilen verschiebt sich das Kräfteverhältnis weiter – BYD und Huawei verlieren, Fronius und Sigenergy gewinnen kräftig dazu.
PV-Zubau Residential: April auf Vorjahresniveau
Im Berichtsmonat April 2026 wurden inklusive der erwarteten Nachmeldungen knapp 33.000 PV-Anlagen im Residential-Segment 5–25 kWp installiert. Damit liegt der April nicht nur klar über dem schwachen Februar-Wert, sondern minimal über April 2025 (rund 32.700 Anlagen). Das ist nach dem schwachen Jahresstart ein wichtiges Signal, weil es zeigt: Sobald die Witterung mitspielt, kommt die Nachfrage zurück.
Im Jahresverlauf bleibt das Bild gemischt. Von Januar bis April 2026 zählen wir gut 110.500 Residential-PV-Anlagen, ein Rückgang von rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Apr 2025: ca. 129.000). Der Rückstand stammt fast vollständig aus den kalten Monaten Januar und Februar; März und April bewegen sich auf oder leicht über Vorjahresniveau.
Im Vergleich zum Boomjahr 2023 mit über 670.000 Residential-Anlagen ist die Größenordnung weiterhin niedriger – aber das ist eine Normalisierung auf historisch hohem Niveau, kein Markteinbruch. Der rollierende 12-Monats-Durchschnitt pendelt sich bei rund 28.300 Anlagen pro Monat ein und bildet damit ein belastbares Fundament.
Was das für Dich bedeutet
Der Hausdachmarkt ist ruhiger geworden, aber er trägt. Wer Kund*innen jetzt mit sauberer Auslegung, transparenter Preiskommunikation und einem klaren Komplettlösungsvorschlag (PV plus Speicher plus Wallbox plus Wärmepumpe) abholt, gewinnt im aktuellen Marktumfeld klar an Wertschöpfung pro Auftrag.
Speichermarkt Residential: Methodik angepasst, Markt stabil
Eine methodische Anpassung vorab: Die Auswertung des Residential-Speichermarkts wurde von der Range 3–25 kWh auf 5–25 kWh geschärft. Damit fallen die kleineren Balkonkraftwerk-nahen Systeme heraus, der Fokus liegt klarer auf dem klassischen Heimspeichermarkt. Die historischen Vergleichswerte sind entsprechend angepasst, die hier genannten Zahlen sind also direkt vergleichbar.
Im April 2026 wurden in dieser engeren Definition gut 34.000 Heimspeichersysteme installiert, ein leichter Zuwachs gegenüber April 2025 (ca. 32.300). Im Jahresverlauf kommen wir auf rund 117.300 Systeme. Das sind 6 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum (Jan–Apr 2025: ca. 124.600) – der Rückstand stammt auch hier aus Januar und Februar, ab März bewegt sich der Markt wieder über dem Vorjahreswert.
Die rollierende 6-Monats-Speicherquote liegt im April 2026 bei rund 102 Prozent. Damit verfestigt sich der Trend, den wir im Vormonat erstmals beobachten konnten: Es werden mehr Heimspeicher installiert als neue PV-Anlagen, und das nicht nur als kurzfristiger Ausschlag. Treiber sind weiterhin Nachrüstungen bei Bestandsanlagen sowie der Trend zu größeren Speicherkapazitäten insbesondere im Bereich 10–25 kWh.
Mit der zunehmenden Verbreitung dynamischer Stromtarife wird der Trend zu größeren Speichern weiter Fahrt aufnehmen. Wer in der Beratung früh über Lastmanagement, Eigenverbrauchsoptimierung und Tarifarbitrage spricht, schiebt automatisch größere und damit wertvollere Systeme an.
Gewerbe-PV >25 kWp: Aufholeffekt im April
Bei den gewerblichen PV-Anlagen über 25 kWp wurden im April 2026 knapp 2.400 Anlagen gemeldet. Damit holt der Berichtsmonat einen Teil des Rückstands aus dem Jahresstart auf und liegt sogar leicht über dem April-Vorjahreswert (ca. 2.240 Anlagen). Im Jahresverlauf kommen wir auf 9.356 Anlagen, das sind 35 Prozent weniger als von Januar bis April 2025 (rund 14.400 Anlagen). Der Rückstand bleibt also signifikant - aber er schmilzt.
Für das Gesamtjahr 2026 liegt unsere erste Prognose bei knapp 28.000 Anlagen. Das wäre nach 2025 (rund 35.000 Anlagen, minus 17 Prozent gegenüber 2024) ein weiterer Rückgang. Trotzdem bewegt sich der Gewerbe-PV-Markt weiterhin auf einem deutlich höheren Niveau als noch 2022.
Auffällig: Der Strukturwandel hin zu größeren Anlagen setzt sich fort. Anlagen über 250 kWp machen 2026 einen größer werdenden Anteil aus. Damit verschiebt sich auch das wirtschaftliche Gewicht – ein einzelnes Großdach trägt heute oft mehr zum Jahresvolumen bei als zehn kleinere Aufdach-Anlagen vor wenigen Jahren.
Was das für Dich bedeutet
Der Gewerbemarkt verschiebt sich strukturell zu größeren, professionell geplanten Projekten. Stückzahlen sinken, die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Projekte steigt. Wer Planungskompetenz, Erfahrung mit Statik, Lastprofilen und Vergütungsmodellen mitbringt, differenziert sich klar.
Gewerbespeicher: weiter auf Rekordkurs
Der Gewerbespeichermarkt ist 2026 das mit Abstand dynamischste Segment im deutschen PV-Umfeld. Im April 2026 wurden inklusive Nachmeldungen rund 1.400 Systeme installiert – fast eine Verdopplung gegenüber April 2025 (rund 600 Systeme).
Im Jahresverlauf stehen 4.632 Anlagen zu Buche. Das ist ein Plus von 63 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Apr 2025: 2.828). Für das Gesamtjahr 2025 schließen wir mit gut 10.000 Systemen ab (+25 Prozent gegenüber 2024); die installierte Speicherkapazität hat sich gegenüber 2024 auf rund 2,4 GWh verdoppelt. Unsere erste Prognose für 2026 liegt bei knapp 16.000 Systemen mit insgesamt rund 10 GWh Kapazität, also nochmal eine Verdopplung der Kapazität gegenüber 2025.
Treiber dieses Wachstums sind vor allem Großspeicher für Arbitrage und Regelenergie. Im April 2026 wurden 18 Großspeicher mit jeweils über 5 MWh ans Netz gemeldet – ein deutliches Signal, dass das Segment zunehmend von Multi-Megawattstunden-Projekten getragen wird.
Was das für Dich bedeutet
Sehr große Speicher (>1 MWh) werden meist von spezialisierten Projektentwickler*innen umgesetzt – sie bieten aber Service- und Kooperationschancen. Der Sweetspot für klassische Installations- und Fachbetriebe liegt im Segment 25–500 kWh: Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung und Notstrom für Gewerbe- und Industriekunden sind hier ein wachsender Markt mit hoher Wertschöpfung.
Marktanteile Speicher: Sungrow überholt Huawei, Fronius wächst kräftig
Die Marktanteile im Heimspeichersegment verschieben sich weiter. Drei Bewegungen sind im April besonders deutlich.
Erstens: BYD und Huawei verlieren kontinuierlich Anteile. BYD bleibt mit rund 19,6 Prozent Verkaufsanteil im April und 18,1 Prozent in der rollierenden 12-Monats-Sicht zwar Marktführer, hat aber gegenüber Mai 2025 (damals 22,9 Prozent) deutlich Boden verloren. Huawei rutscht im rollierenden Mittel von 14,1 auf 10,6 Prozent ab.
Zweitens: Sungrow hat Huawei überholt – eine Verschiebung in der Spitzengruppe. In der rollierenden Sicht liegt Sungrow im April bei 11,4 Prozent, im April-Verkauf bei 10,5 Prozent. Damit etabliert sich Sungrow auf Platz zwei.
Drittens: Fronius und Sigenergy wachsen kräftig. Fronius hat seinen rollierenden Marktanteil seit Mai 2025 von 1,2 auf 6,4 Prozent ausgebaut – mehr als eine Verfünffachung in zwölf Monaten. Sigenergy zieht in der rollierenden Sicht erstmals an Ecoflow vorbei (Sigenergy 4,9 Prozent vs. Ecoflow 4,7 Prozent). Beide Hersteller profitieren stark vom Trend zu All-in-One-Systemen.
Was das für Dich bedeutet
Die Speicherlandschaft wird vielfältiger und damit komplexer. Mehr Auswahl, höherer Wettbewerbsdruck, höhere Anforderungen an Herstellerstrategie, Servicefähigkeit und Systemintegration. Aus Memodo-Sicht: Es geht nicht darum, möglichst viele Hersteller parallel zu bedienen, sondern bewusst auszuwählen, welche Systeme technisch, organisatorisch und im Servicefall langfristig zum eigenen Geschäftsmodell passen.
Preise, Politik, Geopolitik
Die Modulpreise haben sich seit Jahresbeginn fundamental gedreht. Über alle Modulklassen hinweg sind die Preise 2026 bisher um 14 bis 20 Prozent gestiegen, je nach Klasse fielen die Aufschläge im März zwischen 3,4 und 8,3 Prozent aus. Ab April kommt ein neuer Faktor voll zum Tragen: China hat zum 1. April 2026 die neunprozentige Mehrwertsteuer-Exportrückerstattung für PV-Module, Zellen und Wafer komplett gestrichen. Da rund 88 Prozent der nach Deutschland importierten Module aus China stammen, schlägt das direkt durch. Branchenexperten rechnen allein durch den Wegfall mit einem zusätzlichen Preisanstieg von rund 10 Prozent. In Kombination mit dem stark gestiegenen Silberpreis (2025 plus 130 Prozent) und höheren Aluminium- und Polysilizium-Kosten sind Gesamtsteigerungen von 15 bis 20 Prozent realistisch.
Bei Heimspeichern bleibt das Preisniveau aktuell weitgehend stabil; bei Gewerbespeichern beobachten wir allerdings deutliche Aufschläge – getrieben durch sehr hohe Nachfrage und Lithium-Preise, die seit Jahresbeginn um über 50 Prozent gestiegen sind.
Politisch bleibt das wichtigste Thema die Zukunft der Einspeisevergütung. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hält am Kurs fest, die garantierte Einspeisevergütung für neue Eigenheim-PV-Anlagen ab 2027 abzuschaffen. Eine Entscheidung soll bis Sommer fallen. Bis dahin ist mit weiteren Vorzieheffekten zu rechnen, was die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte 2026 zusätzlich stützen dürfte.
Fazit: Was jetzt wichtig wird
Aus den Aprilzahlen lassen sich aus unserer Sicht klare Schlüsse ziehen:
- Der Residential-Markt erholt sich. April liegt leicht über Vorjahr. Das schwache Jahresstart-Bild dreht sich nicht über Nacht, aber die Richtung stimmt.
- Heimspeicher bleiben die stabilste Größe. Speicherquote über 100 Prozent zeigt, dass Nachrüstungen das Geschäft tragen - auch in schwachen PV-Monaten.
- Im Gewerbe ist der Speicher der Wachstumstreiber, die PV-Zahlen holen langsam auf. Wer Beratungs- und Planungskompetenz für 25–500-kWh-Speicher mitbringt, ist im Sweetspot.
- Modulpreise steigen weiter – mit Beschleunigung ab April durch den Wegfall der chinesischen Exportvergünstigungen. Frühe Beschaffung und transparente Kundenkommunikation gewinnen wieder an Bedeutung.
- Marktanteile im Speichersegment verschieben sich. Wer Sortimentsentscheidungen heute trifft, sollte über das Spielfeld der nächsten 12 Monate nachdenken, nicht über die Vergangenheit.
Was wir bei Memodo Dir jetzt empfehlen
- Gewerbefokus schärfen und Prozesse darauf ausrichten – inklusive Speicher-Auslegung im Segment 25–500 kWh.
- Heimspeicher konsequent in jede Beratung mitnehmen, mit Blick auf 10–25-kWh-Systeme und dynamische Tarife.
- Wirtschaftlichkeitsrechnungen für PV, Speicher und Lastmanagement standardisieren und gegenüber Kund*innen transparent machen.
- Bestandskund*innen aktiv auf Repowering und Speichernachrüstung ansprechen.
- Beschaffung und Lagerbestand mit Blick auf die Modulpreis-Dynamik aktiv steuern.
Im nächsten Marktupdate werten wir die Maizahlen aus – und prüfen, ob sich die Erholung im Residential-Markt verfestigt und der Gewerbespeicher seine Wachstumsdynamik hält.
Quellen: Marktstammdatenregister (Stand 1. Mai 2026, Auswertung Michail Agrusow); PV Magazine Deutschland (China-Exportsubventionen, EEG-Novelle, Photovoltaik-Zubau April 2026); Solarserver (EEG-Reform); BSW Solar; Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.











































