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Wärmepumpe bei Eis und Schnee: Funktionieren Wärmepumpen auch im Winter?

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Wärme-Wissen
Aktualisiert am 16. Januar 2026
9 Min. Lesezeit
Luis Santos
Luis Santos

Ja - Wärmepumpen funktionieren auch bei Frost! Das beweisen Millionen Systeme in Skandinavien. In diesem Ratgeber erfährst du, was Deutschland vom Norden Europas lernen kann und welche Technik dahintersteckt. 

Warum sind Wärmepumpen in Skandinavien so erfolgreich?

In den nordischen Ländern* gründet sich die hohe Akzeptanz auf langjährige Förderung, starke Dämmstandards und frühe Einführung der CO₂-Bepreisung. Sie verwenden außerdem viele Wand- sowie Fußbodenheizungen, die sehr gut mit Wärmepumpen zusammenarbeiten. Wir haben dieses Thema in unserem Ratgeber zum Thema Wärmepumpe und Fußbodenheizung genauer unter die Lupe genommen.

  • Dänemark: Unsere nördlichen Nachbarn investieren besonders stark in sehr große Wärmepumpen für Fernwärme: Die Küstenstadt Esbjerg hat zuletzt ein Kohlekraftwerk mit einer riesigen Wärmepumpe (50 MW Leistung) ersetzt, die 100.000 Menschen versorgt.
  • Norwegen: Norwegen hat eine der höchsten Wärmepumpen-Quoten in Europa. Das liegt auch daran, dass Norwegen dank Wasserkraftwerken 99 % seines Stroms sehr günstig aus erneuerbaren Quellen bezieht.
  • Schweden: Heizsysteme mit Wärmepumpe werden in über 80 % der Neubauten installiert. Schweden hat bereits seit den 90er Jahren eine CO₂-Steuer.
  • Finnland: Mehr als nur Sauna: In Finnland werden etwa 50 % der Haushalte mit Wärmepumpen beheizt. Das Land ist außerdem Spitzenreiter beim Ausbau.

Und das alles bei Temperaturen, die uns in Deutschland schon beim Lesen zittern lassen:

Quellen: EHPA, Climate Change Knowledge Portal der Weltbank

Warum liegt Deutschland hinten?

Die meisten deutschen Haushalte heizen noch mit fossilen Energieträgern wie Erdgas und Öl, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Klima (BMWK). Während Schweden und Dänemark schon vor über 30 Jahren eine CO2-Steuer einführten, gibt es diese in Deutschland erst seit 2021. Förderprogramme bestehen, aber der Umstieg ist teuer, bürokratisch und braucht Bewusstseinswandel. Die Förderungen des BMWK sollen helfen. Wir haben sie in der Memodo Wissenswelt für dich zusammengestellt.

Winter: Wie funktioniert eine Wärmepumpe auch bei Kälte?

Luft-Wasser-Wärmepumpen heizen auch bei Minustemperaturen zuverlässig, weil sie selbst bei Frost noch Wärme aus der Außenluft gewinnen. Der COP-Wert bleibt hoch, wenn das Heizsystem angepasst ist – z. B. mit Fußbodenheizung oder Niedertemperaturheizkörpern. Das zeigt dieses Diagramm:

Der Coefficient of Performance, kurz COP, beschreibt die Effizienz einer Wärmepumpe. Ein Wert von 3 bedeutet, dass 1 kWh elektrischer Energie in 3 kWh Heizleistung umgewandelt wird. Zum Vergleich: Moderne Gaskessel erreichen nur COP-Werte von etwa 0,9. 

Die effektive Heizleistung der Wärmepumpe ist dabei von den Gegebenheiten vor Ort abhängig. Ein gut gedämmtes Haus erhält Wärme besser und kann daher auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen heizen. Die richtige Heizung hat ebenfalls Einfluss auf die Heizleistung der Wärmepumpe: Eine Fußbodenheizung, Niedrigtemperatur- oder Plattenheizkörper eignen sich hier besonders gut.

Wir haben hier die Daten für die Wärmepumpe zusammen mit verschiedenen Heizsituationen an zwei Orten in Deutschland konkret verglichen:

  • Freiburg im Breisgau, die durchschnittlich wärmste Stadt Deutschlands.
  • Oberstdorf im Allgäu, bekannt aus dem Wintersport und im Jahresdurchschnitt kälteste Gemeinde Deutschland.

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) bezeichnet den durchschnittlichen COP einer Wärmepumpe über ein Jahr. Der Berechnung liegt eine Luft-Wasser-Wärmepumpe mit 9 kWh Leistung zugrunde.

OrtHeizsituationVorlauf- / 
Rücklauftemperatur
JAZ
FreiburgAltbau mit Heizkörpern60 °C / 50 °C3,8
FreiburgNeubau mit Fußbodenheizung40 °C / 30 °C4,5
OberstdorfAltbau mit Heizkörpern60 °C / 50 °C3,1
OberstdorfNeubau mit Fußbodenheizung40 °C / 30 °C3,6

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe funktioniert also auch in den kältesten Regionen Deutschlands sehr effizient – ob im Altbau oder im Neubau.

Welche Wärmepumpen eignen sich für frostige Standorte?

Vorlauftemperatur und Heizleistung von Luft-Wasser-Wärmepumpen reichen völlig aus, um einen Haushalt durch den Winter zu bringen. Falls es im Winter dauerhaft sehr kalt (d.h. -15 °C oder kälter) wird, ergänzt du die Wärmepumpe mit einem Heizstab

Solche arktischen Temperaturen werden in Deutschland jedoch kaum erreicht. Wenn du dennoch ganz sicher gehen willst, dass die Wärmepumpe auch im kältesten Winter oder starken Höhenlagen gut heizt, kannst du diese Modelle prüfen:

  • Hochtemperatur-Wärmepumpe: Leistungsstarke Luft-Wasser-Wärmepumpen mit sehr hoher Vorlauftemperatur. Dadurch eignen sie sich gut für unsanierte Altbauten oder Mehrfamilienhäuser.
  • Sole-Wasser-Wärmepumpe: Geeignet für sehr niedrige Temperaturen nutzt sie thermische Energie aus der Erde statt der Luft. Die Installation ist aufwändiger und mit zusätzlichen Auflagen verbunden.
  • Luft-Luft-Wärmepumpe: Sie glänzt dann, wenn die Temperaturen über das Jahr stark schwanken: In Finnland sind 3 von 4 Wärmepumpen Luft-Luft-Anlagen. Sie eignen sich nur für gut isolierte Häuser.

Wärmepumpe bei Kälte – deine Checkliste für die Installation

Wir haben die allgemeinen Voraussetzungen für den Einbau einer Wärmepumpe in der Memodo Wissenswelt zusammengefasst. Speziell zum Thema „Wärmepumpe im Winter“ und zur Frage, ob sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe lohnt, kannst du zusätzlich diese kurze Checkliste durchgehen:

  • Wie kalt wird es im Winter? Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet nach Region aufgeschlüsselte Klimakarten an. Zusammen mit dem Klimaatlas des DWD siehst du, bei welchen Temperaturen die Wärmepumpe arbeiten muss.
  • Wie ist der Sanierungsstand? Selbst in sehr kalten Regionen ist es sinnvoller, statt einer Hochleistungs-Wärmepumpe ein reguläres Modell zu installieren und gleichzeitig die Dämmung des Hauses zu verbessern. Wenn das Haus nicht energetisch saniert ist, solltest du das zuerst angehen.
  • Welche Heizung ist verbaut? Fußbodenheizung, Wandheizung oder Plattenheizkörper benötigen keine hohe Vorlauftemperatur. Eine „normale“ Luft-Wasser-Wärmepumpe reicht aus.
  • Lohnt sich ein Heizstab? Ein zusätzlicher Heizstab zur Wärmepumpe ist dann nützlich, wenn die Wärmepumpe in einer besonders kalten Region arbeitet, d.h. regelmäßige Temperaturen von -15 °C und kälter. Heizstäbe arbeiten besonders effizient in Häusern mit installierter Photovoltaik – Stichwort Sektorenkopplung.

Fazit: Ist es in Deutschland zu kalt für Wärmepumpen?

Nein - Skandinavien zeigt, dass Wärmepumpen auch unter -10 °C effizient arbeiten. Mit dem richtigen Heizsystem, Dämmung und Planung lohnt sich eine Wärmepumpe auch bei Frost.

Luft-Wasser-Wärmepumpen bieten genug Leistung, um ein Haus in Deutschland nachhaltig zu heizen. Die Rahmenbedingungen sind viel wichtiger: Dämmung, Sanierungsstand, Heizsystem und Strompreis. Hochtemperatur-Modelle sind vor allem für Sonderfälle wie Mehrfamilienhäuser und Altbauten interessant.

Wenn du mehr zum Thema Wärmepumpe und Skandinavien wissen willst: Wir haben in Folge 38 unseres Podcasts mit der Expertin Dr. Sybille Baumgart darüber gesprochen.

*Hinweis: Wenn wir in diesem Ratgeber von „Skandinavien“ sprechen, meinen wir damit die nordischen Länder Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. Finnland gehört geographisch zwar nicht zu Skandinavien, ist seinen westlichen Nachbarn nicht nur bei der Wärmepumpe ähnlich. Darum beziehen wir das Land der 1.000 Seen hier mit ein. 

FAQs

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