Zubau im Eigenheim und Gewerbe stabil – Sonderkonjunktur durch Iran-Krieg ebbt ab
Die aktuellen Zubauzahlen stammen aus dem Marktstammdatenregister mit Stand 1. Juni 2026. Erfasst sind installierte und gemeldete Anlagen sowie Speicher – keine Herstellerverkäufe. Die monatliche Auswertung erfolgt in Zusammenarbeit mit PV-Datenexperte Michail Agrusow.
Das Wichtigste auf einen Blick
Der Residential-PV-Markt setzt seine Erholung fort, wächst im Mai aber nur leicht im Vergleich zum Vormonat: Nach dem schwachen Jahresstart in Januar und Februar liegt der Zubau seit März durchgehend über dem Vorjahresniveau. Im Gewerbe setzt der Speichermarkt seinen Wachstumskurs fort - mit rund 5.896 Systemen in den ersten fünf Monaten liegt das Segment bereits 67 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Bei den Speicher-Marktanteilen verlieren BYD und Huawei weiter, Sungrow stabilisiert sich auf Platz zwei, Fronius und Sigenergy gewinnen kontinuierlich dazu.
PV-Zubau Residential: Erholung setzt sich fort
Im Berichtsmonat Mai wurden inklusive der erwarteten Nachmeldungen gut 34.000 Residential-PV-Anlagen im Segment 5–25 kWp installiert. Das ist der stärkste Monatswert im laufenden Jahr und signalisiert, dass der Markt nach dem witterungsbedingten Einbruch zu Jahresbeginn wieder Fahrt aufgenommen hat. Dennoch fällt das Wachstum geringer aus als erwartet, denn nach Ausbruch des Iran-Kriegs hatten einige Experten mit deutlich größerem Wachstum gerechnet.
Im Jahresverlauf stehen damit von Januar bis Mai 2026 rund 145.100 Anlagen zu Buche – ein Rückgang von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Mai 2025: ca. 163.700). Dieser Rückstand lässt sich fast vollständig auf die außergewöhnlich kalten Monate Januar und Februar zurückführen. Seit März bewegt sich der Markt stabil über dem jeweiligen Vorjahreswert.
Zum Vergleich: Im Boomjahr 2023 wurden von Januar bis Mai noch rund 268.700 Anlagen installiert. Der Markt hat sich auf einem deutlich höheren Niveau als noch 2022 (damals ca. 103.500 Anlagen im gleichen Zeitraum) normalisiert und zeigt eine belastbare Grundnachfrage.
Speichermarkt Residential: Knapp unter Vorjahr, aber mit positivem Trend
Im Mai wurden im Residential-Speichersegment (5–25 kWh) rund 35.500 Systeme installiert, das ist ebenfalls der stärkste Monatswert des laufenden Jahres. Im Jahresverlauf kommen wir damit auf rund 152.800 Systeme, was 4 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum liegt (Jan–Mai 2025: ca. 158.700).
Das Muster ist hier dasselbe wie beim PV-Zubau: Der Rückstand stammt aus Januar und Februar, ab März bewegt sich der Markt wieder über dem Vorjahreswert. Das lässt für das Gesamtjahr ein nahezu ausgeglichenes Bild oder sogar ein leichtes Plus erwarten.
Bemerkenswert ist eine strukturelle Verschiebung am Rand des Segments: Im Bereich über 5 kWh tauchen zunehmend Speichersysteme von Herstellern auf, die ursprünglich aus dem Balkonkraftwerk-Markt kommen. Diese Systeme haben eine Speicherkapazität, die die zugehörige PV-Leistung deutlich übersteigt. Ein Zeichen dafür, dass Nutzer zunehmend eigenständig in Speicher investieren, auch ohne klassische Hausdach-PV als unmittelbaren Anlass.
Der Trend zu größeren Einheiten im Segment 10–25 kWh hält an. Treiber sind Nachrüstungen bei Bestandsanlagen, wachsende Nachfrage nach Netzunabhängigkeit und die Verbreitung dynamischer Stromtarife, die größere Speicher wirtschaftlich attraktiver machen.
Gewerbe-PV >25 kWp: Deutlich unter Vorjahr, aber Großanlagen prägen das Bild
Bei den gewerblichen PV-Anlagen über 25 kWp wurden im Berichtsmonat Mai gut 2.100 Anlagen gemeldet und damit weniger als im Mai des Vorjahres (ca. 2.500 Anlagen). Im Jahresverlauf stehen von Januar bis Mai 2026 rund 11.312 Anlagen zu Buche, was einen Rückgang von 33 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum bedeutet (Jan–Mai 2025: ca. 16.900).
Gleichzeitig zeigt ein Blick auf die Struktur, was sich verändert hat: Im Berichtsmonat wurden allein 34 Dachanlagen über 1 MWp mit insgesamt 67 MWp gemeldet, darunter Projekte von Lidl, Edeka, IKEA, Siemens und der Deutschen Post.
Für das Gesamtjahr 2026 liegt die Prognose bei gut 27.000 Anlagen. Das wäre nach dem bereits rückläufigen Vorjahr (rund 35.000 Anlagen, minus 17 Prozent gegenüber 2024) ein weiterer Rückgang. Der Strukturwandel hin zu weniger, aber größeren Projekten beschleunigt sich.
Gewerbespeicher: Außergewöhnliches Wachstum setzt sich fort
Der Gewerbespeichermarkt bleibt 2026 das mit Abstand dynamischste Segment im deutschen PV-Umfeld.
Im Berichtsmonat Mai wurden über 1.400 Systeme über 25 kWh installiert. Im Jahresverlauf kommen wir damit von Januar bis Mai auf 5.896 Systeme, das ist ein Plus von 67 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (Jan–Mai 2025: 3.541 Systeme).
Die aktuelle Prognose für 2026 liegt bei rund 16.000 Systemen mit insgesamt rund 10 GWh Kapazität (2,4 GWh in 2025).
Sehr große Speicher (>1 MWh) werden überwiegend von spezialisierten Projektentwicklern umgesetzt. Für klassische Installations- und Fachbetriebe liegt der Sweetspot weiterhin im Segment 25–500 kWh: Eigenverbrauch, Lastspitzenkappung und Notstromlösungen für Gewerbe- und Industriekunden sind ein wachsender Markt mit hoher Wertschöpfung und vergleichsweise überschaubarer Projektkomplexität.
Marktanteile Speicher: BYD und Huawei verlieren weiter, Sungrow auf Platz zwei
Die Verschiebungen in den Speicher-Marktanteilen, die wir in den vergangenen Monaten beobachtet haben, setzen sich fort und sie sind nicht kurzfristiger Natur.
BYD bleibt trotz Verlusten Marktführer, hat aber gegenüber dem Vorjahr spürbar Anteile abgegeben.
Huawei verliert ebenfalls kontinuierlich und ist auf Platz drei zurückgefallen. Sungrow hat sich auf Platz zwei stabilisiert – eine Verschiebung im Spitzentrio, die sich in den vergangenen zwölf Monaten schrittweise vollzogen hat.
Fronius und Sigenergy haben in den letzten Monaten kräftig dazugewonnen und gewinnen weiter an Boden. Beide Hersteller profitieren vom Trend zu All-in-One-Systemen und einer wachsenden Installateur*innen-Basis, die gezielt auf diese Plattformen setzt. E3/DC gewinnt ebenfalls Marktanteile zurück.
Bemerkenswert: Hersteller, die klassisch im Balkonkraftwerk-Segment verankert waren, tauchen zunehmend auch im Segment über 5 kWh auf.
Fazit: Was jetzt wichtig wird
Aus den aktuellen Zahlen lassen sich klare Schlüsse ziehen:
- Residential erholt sich. Seit März liegt der PV-Zubau über dem Vorjahreswert. Das Jahresgesamtbild wird durch den schwachen Jahresstart belastet, nicht durch strukturelle Schwäche. Iran-Krieg-Boom bleibt aus.
- Heimspeicher sind das stabilste Segment. 4 Prozent unter Vorjahr im Jahresverlauf und der Trend zeigt nach oben. Nachrüstungen tragen den Markt, auch in schwachen PV-Monaten.
- Gewerbespeicher wachsen außergewöhnlich. 67 Prozent Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum und eine Kapazitätsprognose von 10 GWh für 2026 sind Zahlen, die das Segment klar als Wachstumstreiber ausweisen.
- Gewerbe-PV verliert Stückzahlen, gewinnt an Projektvolumen. Weniger aber dafür größere Anlagen. Komplexität steigt.
- Speicher-Marktanteile verschieben sich weiter. Wer Sortimentsentscheidungen jetzt trifft, sollte das Spielfeld der nächsten zwölf Monate im Blick haben, nicht die Vergangenheit.
Was wir bei Memodo Dir jetzt empfehlen
- Fokus auf Gesamtsysteme im Segment 10–25 kWh.
- Bestandskund*innen aktiv auf Speichernachrüstung ansprechen: Die Nachfrage ist vorhanden, der Bedarf oft noch nicht kommuniziert.
- Gewerbespeicher-Kompetenz im Segment 25–500 kWh aufbauen oder ausbauen. Das Marktvolumen ist groß und wächst weiter.
- Herstellerstrategie im Speicherbereich überprüfen: Die Marktverschiebungen sind real. Servicefähigkeit und Systemintegration werden zu echten Differenzierungsfaktoren.
- Im Gewerbe-PV-Bereich auf Planungs- und Auslegungskompetenz setzen – Stückzahlen sinken, der Wert pro Projekt steigt.
Im nächsten Marktupdate werten wir die Junizahlen aus und prüfen, ob der Residential-Markt seine Erholung durch die Sommerphase trägt und der Gewerbespeicher seine Wachstumsdynamik in der zweiten Jahreshälfte hält. Zudem erwarten wir neue Erkenntnisse zum weiteren Jahresverlauf auf der Intersolar in München Ende Juni. Hierzu werden wir ausführlich berichten.
Quellen: Marktstammdatenregister (Stand 1. Juni 2026, Auswertung Michail Agrusow)



































