Nachgefragt: Das bewegt LG Chem gerade

Welche Ausgangsspannung der Speicher ist auf dem Vormarsch? Und welche Chancen bieten Kooperationen? Wir haben LG Chem auf den Hersteller-Zahn gefühlt und in einem Interview mit Stefan Krokowski, Head of Sales and Marketing – Residential ESS, spannende Erkenntnisse gewonnen, die wir mit euch teilen wollen.

LG Chem in 77 Wörtern

LG Chem ist, ebenso wie LG Electronics, Teil des LG Konzerns und konzentriert sich auf die Herstellung von Batteriespeichern. Die Südkoreaner setzen auf kompakte Lithium-Speichereinheiten für den stationären und mobilen Einsatz. Auf dem Markt ist bereits die dritte Generation der RESU-Serie, die durch Energiedichte und Baugröße überzeugen. Auch im Hochvolt-Bereich ist LG Chem mit leistungsstarken Speichern vertreten. Das neue Jahr birgt für LG Chem einige Herausforderungen mit sich, aber auch bekannte Fragestellungen stehen für den Hersteller weiter auf der Tagesordnung.

Memodo: Herr Krokowski, der Speichermarkt ist auch in 2019 stark gewachsen, wie sieht sich LG Chem hier platziert?

Generell sehen wir uns sehr gut im Markt vertreten. Unsere Marktanteile sind gut, was zeigt, dass die Kunden mit unseren Produkten zufrieden sind und die Marke LG Chem vertrauen schafft. Der Wettbewerb nimmt zu, das spüren wir natürlich. Wir denken, dass der Markt noch immer in einem frühen Stadium ist und wir mit innovativen Lösungen und den richtigen Kompatibilitäten langfristig sehr gute Chancen haben. Unser neuestes Modell, der sehr kompakte und modulare RESU10M, wird im Markt ausgesprochen gut angenommen.

In diesem Jahr stellt LG Chem spannende Neuerungen vor, auf die Messe im Sommer freuen wir uns sehr. Schon heute sind unsere aktuellen Produkte mit deutlich mehr Wechselrichtern kompatibel als noch vor sechs Monaten. Da lohnt sich ein Blick in die erweiterten Kompatibilitätslisten.

Memodo: Sie setzen sowohl auf 48 V Batterien als auch auf Hochvoltspeicher. Was sind die grundlegenden Unterschiede?

Wie schon der Name sagt: die Ausgangsspannung des Speichers. Abhängig von der internen Verschaltung der Zellen kann man auf unterschiedlichen Spannungsebenen arbeiten, üblich sind 48 V und 400 V.

Wir sehen die Diskussion Hochvolt gegenüber Niedervolt neutral. Aus unserer Sicht ist es möglich, auf beiden Spannungsebenen interessante und sehr effiziente Systeme zu bauen. Letztlich entscheidet der Kunde, was er haben möchte. Der Trend zu Hochvolt, den wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, ist aus unserer Sicht vor allen Dingen den attraktiven Wechselrichtern im Hochvoltsegment geschuldet.

Memodo: Welche Chancen sehen Sie in der Zusammenarbeit mit SolarEdge hinsichtlich des neuen 3-phasigen Hybrid Wechselrichters?

Wir können schon jetzt eine große Nachfrage für diese Kombination erkennen und sehen daher große Chancen. Auch in persönlichen Gesprächen mit Installateuren und Endkunden konnte ich erfahren, wie attraktiv die Kombination der Optimierer-Technologie von SolarEdge an einem 3-phasigen Hybrid Gerät mit einem sehr kompakten und preislich attraktiven Speicher ist. 48 V Systeme werden wieder verstärkt in den Fokus rücken.

Memodo: Welche weiteren Wechselrichter sind kompatibel?

Neu ist außerdem die Kompatibilität unserer 48 V RESU Modelle mit Geräten von GoodWe, Western Co und Solis. Auch bei diesen Herstellern hat sich einiges getan.

Memodo: Die Abbaubedingungen für Kobalt stehen immer wieder in der Kritik. Wie geht LG Chem dieses Thema an?

LG Chem hat sich schon früh mit diesem Thema befasst. Wir sind Mitglied in verschiedenen Organisationen, die möglichst gute Abbaubedingungen sichern wollen, und das schon seit 2017. Damals diskutierte die Presse noch nicht darüber.

Seit das Thema von einigen Marktteilnehmern stärker in den Fokus gerückt wird, erhalten wir natürlich mehr Fragen hierzu. Wir sehen uns sehr gut positioniert und haben unsere Sicht ausführlich dargelegt. Sowohl auf Veranstaltungen, wie beispielsweise den Memodo Speichertagen im vergangenen Herbst, als auch in einem wirklich sehr ausführlichen Artikel auf unserem Blog. Auch das PV-Magazine berichtete darüber. Die Sonderausgabe des PV-Magazines „Auf dem Weg zur Klimarettung“ thematisierte das Thema ebenfalls.

Diskutiert wird Kobalt als Rohstoff vor allem wenn es um Elektroautos geht. Mich wundert dann bei jedem dieser Artikel, dass der Autor versäumt, die viel bedenklicheren Folgen der Ölförderung – vom Klimawandel bis hin zu Kriegen – in eine angemessene Perspektive zu setzen. Da muss man nur mal „Erdöl“ und „Nigerdelta“ bei Google eingeben. Übrigens wird auch in Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor Kobalt verwendet, ebenso wie bei der Herstellung von Treibstoff.

Memodo: Ihr Tipp an unsere Leser?

Die aktuelle Verbreitung des Coronavirus ist hoffentlich bald eingedämmt. Wir versuchen natürlich, die Auswirkungen bestmöglich zu begrenzen. Trotzdem verzögern sich durch die ungeplante Schließung von Werken Lieferketten. Es genügt schon die verspätete Lieferung eines Vorproduktes und schon verzögert sich die Seefracht. Es schadet also nicht, sich für die kommenden zwei bis drei Monate mit der voraussichtlich benötigten Produktmenge einzudecken.