Koalitionsvertrag Sektorenkopplung: Auswirkungen und Herausforderungen für den PV-Markt

Solaranlagen, Ladesäulen und Wärme für alle! Die neue Ampel-Regierung hat sich im Koalitionsvertrag in Sachen Sektorenkopplung viel vorgenommen. Auch die ganze Welt schaut seit dem Klimagipfel 2021 in Glasgow erwartungsvoll auf die grünen Branchen. Die Zukunft des PV-Markts ist gesichert oder trügt der Schein? 

Was wurde beim Klimagipfel 2021 beschlossen?

Nach 2 Wochen Verhandlungen liegen die Ergebnisse des Klimagipfels 2021 auf dem Tisch. Die knapp 200 Staaten einigten sich, dass 1,5 Grad Ziel weiter zu verfolgen.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Nationale Klimaschutzziele (NDC) bis 2022 statt 2025:
    Alle Länder müssen bis nächstes Jahr ihre Ziele definieren.
  • Schrittweiser Ausstieg aus der Kohlekraft:
    Kohle und andere fossile Energieträger sollen abgeschafft werden. Die Formulierung wurde allerdings mehrfach verwässert und durch China und Indien in letzter Minute abgeschwächt. Statt einem schnelleren weltweiten Ausstieg aus der Kohlenutzung, einigten sich die Staaten auf ein “schrittweises Verringern“ von Kohlekraftwerken ohne CO2-Abscheidung.
  • 100 Mrd. US-$ pro Jahr für den Klimaschutz:
    Bei den letzten Konferenzen sagten die Industrieländer Finanzhilfen in Höhe von 100 Mrd. US-$ für finanzschwache Länder zu. Daran hat sich kaum ein Industrieland gehalten. Die Finanzierung von Klimaschutzmaßnahmen in anderen Ländern bringt ab jetzt aber Emissionszertifikate, die in die Klimabilanz des Geldgebers einfließen.

Mit den neuen Beschlüssen steigt der Druck auf die Länder. Deshalb muss auch Deutschland Lösungen finden, die Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz verbinden.

Die neue rot-gelb-grüne Regierung will deshalb mit ihrem Koalitionsvertrag den Ausbau von erneuerbaren Energien durch verschiedene Ziele im Bereich der Sektorenkopplung anschieben. Dafür sollen auch bürokratische Hürden wie zum Beispiel aufwendige Genehmigungsverfahren genommen werden.

Welche Ziele setzt der Koalitionsvertrag für Solarenergie, Wärme und E-Mobilität?

„Neues Tempo in die Energiewende“, „Schritt für Schritt beenden wir das fossile Zeitalter“, „[…] Technologie des Verbrennungsmotors hinter uns lassen.“ Diese Zitate stammen aus dem neuen Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition.

Die wichtigsten Ziele für Solarenergie, Wärme und E-Mobilität aus dem Koalitionsvertrag im Überblick:

Solarenergie Wärme Elektromobilität
Bis 2030 soll der Photovoltaik-Ausbau auf ca. 200 GW steigen. (bisher 60 GW) Bis 2030 soll 50 % der Wärme klimaneutral erzeugt werden Bis 2030 sollen mindestens 15 Millionen E-Autos unterwegs sein
Alle geeigneten Dachflächen sollen für Solarenergie genutzt werden. (Gewerblicher Neubau: Pflicht/privater Neubau: keine Pflicht aber „Regel“) Überarbeitung der Gesetzeslage für mehr hocheffiziente Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung Deutschland soll Leitmarkt für Elektromobilität werden
Innovative Solarenergie wie Agri- und Floating-PV stärken und Ko-Nutzung ermöglichen Flächendeckende kommunale Wärmeplanung und Ausbau der Wärmenetze „Massiver“ Ausbau der Ladesäuleninfrastruktur
Vergütungssätze sollen angepasst werden Schaffung eines zweiten Emissionshandels für die Bereiche Wärme und Mobilität (ETS 2)
Beschleunigung von Netzanschlüssen und Zertifizierungen Wandel hin zu E-Mobility in den Automobilregionen durch Clusterförderung unterstützen
Ausschreibungspflicht für große Dachanlagen soll geprüft werden Mehr KfW-Förderungen
Kommunen sollen von Freiflächen-Solaranlagen finanziell profitieren Mehr Zellproduktionsstandorte in Deutschland und Förderung von Batterieforschungsprojekten

Fazit:

Der angestrebte Ausstieg aus fossilen Energien bedeutet einen weltweiten Umstieg auf grüne Alternativen wie Photovoltaik. Die Versprechungen aus dem Koalitionsvertrag zielen auf eine starke Ein- und Verbindung von Solarenergie, Wärme und Elektromobilität ab. Die Sektorenkopplung bringt der PV-Branche in Deutschland noch mehr Aufwind.

Von diesen Chancen und auch Herausforderungen gehen wir aus:

Chancen für den PV-Markt:

  • Anreize für mehr technische Innovationen
  • Nachfrage nach Solarmodulen, Speichern, Wechselrichter, Wärmepumpen und Ladestationen steigt
  • Anlagen-Installationen auf der ganzen Welt
  • Mehr Planungen und Installationen

Herausforderungen für den PV-Markt:

  • Fachkräftemangel
  • Lieferschwierigkeiten (auch wegen der Corona-Pandemie)
  • Warenknappheit (z.B. Chipmangel)
  • Großes Wachstum in kurzer Zeit nötig, um die Ziele zu erreichen

Eigentlich nichts Neues oder? Diese Stolpersteine liegen der PV-Branche schon länger im Weg. Gehen wir aufmerksam und mit dem nötigen Weitblick voran, werden wir nicht stolpern. Deshalb geben wir weiter unser Bestes und stellen uns gerne der Herausforderung – packen wir’s zusammen an!

Zusammengefasst:

  • Der Koalitionsvertrag und die Beschlüsse aus dem Klimagipfel 2021 ebnen den Weg für mehr Sektorenkopplung und mehr nachhaltige Energie.
  • Die Nachfrage nach Photovoltaik-Anlagen wird steigen. Dafür braucht es auch neue Innovationen, um diese zu bedienen.
  • Das knappe Timing in Kombi mit dem weiterhin bestehenden Rohstoffmangel wird eine Herausforderung für die PV-Branche bleiben.