2022 – wird in diesem Jahr alles besser? 

2021 ist viel passiert − auch viel Gutes. Welche Herausforderungen warten in 2022 auf uns und was wird für die PV-Branche in diesem Jahr wichtig? Für diese Fragen wage ich heute einen Ausblick.

Coronabedingte Werksschließungen, ein festgefahrener Frachter im Suezkanal, Stau vor und an den größten Seefrachthäfen und zu guter Letzt eine Chip- und Rohstoffknappheit, die es so noch nicht gegeben hat. Das Ergebnis: stark steigende Preise für PV-Module, Wechselrichter und Montagegestelle.   

Nein, 2021 war wahrlich kein einfaches Jahr. Aber welches Jahr war für die Photovoltaik-Branche denn bitte schon „einfach“? Wir, und damit meine ich jede und jeden, der an diesem Markt teilnimmt, haben schon viele Stürme erlebt und kämpfen dennoch beständig für den Ausbau der Erneuerbaren. Und bei all den Schwierigkeiten gelingt uns das im Grunde ganz gut.

Auch im letzten Jahr konnten wir den Photovoltaik-Zubau nochmals erhöhen. Auf etwa 5,3 GW. Vor allem im Eigenheimbereich wurde ein enormes Wachstum erzielt, ganz zu schweigen von den unzähligen Ladestationen, die mittlerweile zu den PV-Anlagen installiert werden. Doch wird das alles reichen? Ist das genug, um die Energiewende zu schaffen? Nein. Wir brauchen mehr. Viel mehr. 

Wie wollen wir dieses „Mehr“ schaffen?  

Neues Jahr, neues Glück. Oder sollte man vielmehr sagen: neue Regierung, neues Glück? Der PV-Zubau soll laut der Ampel-Koalition in den nächsten Jahren massiv erhöht werden, Ladestationen möglichst in jeden Haushalt einziehen und die Wärmeerzeugung CO₂-schonend erfolgen. Klingt erstmal gut und sinnvoll, wäre da nicht ein Problem: Wer soll das alles installieren?  

2021 war der größte Flaschenhals die Verfügbarkeit von Komponenten. In den kommenden Jahren wird es die Verfügbarkeit von Planungs- und Installationskapazitäten werden. Zwar wird uns das Thema Warenverfügbarkeit noch mindestens bis zur Mitte des neuen Jahres beschäftigen, danach ist aber mit einer gewissen Entspannung zu rechnen. Neue, unvorhersehbare Ereignisse mal ausgenommen. 

Die Nachfrage steigt weiter 

Die meisten Hersteller haben, wie auch wir, ihre Einkaufsvolumen für Bauteile massiv erhöht und Produktionslinien erweitert. Bis sich das nachhaltig auf die Warenverfügbarkeiten von Modulen, Wechselrichtern und Montagegestellen auswirkt, werden noch einige Monate vergehen. In dieser Zeit ist auch noch mit leichten Preiserhöhungen zu rechnen.

Bei Stromspeichern wird die Nachfrage sogar das gesamte Jahr durchweg höher sein als die Produktionskapazitäten. Die Nachfrage nach Batterien zieht mittlerweile weltweit extrem an, wodurch diese Produkte weiter sehr knapp bleiben dürften. Infolge muss auch hier mit weiteren Preissteigerungen gerechnet werden.  

Helfen könnte uns, dass immer mehr Hersteller in die Produktion von Stromspeichern einsteigen. Waren bis vor kurzem BYD, Tesla, LG Chem, E3/DC, Varta, Sonnen und Senec die führenden Anbieter für Stromspeicher, so gesellen sich 2022 einige weitere namhafte Marken dazu. Und es handelt sich hier nicht um irgendwelche Hersteller, sondern um die führenden Anbieter für Wechselrichter: SolarEdge, GoodWe und Sungrow. Alle 3 haben ab der zweiten Jahreshälfte große Volumen ihrer Stromspeicher in Aussicht gestellt.  

Ein Hersteller, eine Lösung 

Diese vertikale Integration findet neben den Stromspeichern auch bei Ladestationen statt. Mehr und mehr Anbieter liefern die wichtigsten Komponenten aus einer Hand und die notwendige Software und Steuerung gleich dazu. Das alles soll die Installation, Inbetriebnahme und Wartung von intelligenten PV-Systemen schneller und einfacher machen. Ein Schritt in die richtige Richtung. Die folgenden Statements zeigen, wichtige Themen unserer Hersteller 2022:

Hersteller Wichtige Themen 2022
BYD Das vergangene Jahr war sehr ereignisreich und brachte viele neue Herausforderungen mit sich. Wie viele Hersteller, war BYD während der Pandemie mit Lieferengpässen und Transportunterbrechungen, einer hohen Preisschwankung und einer sehr schwer einschätzbaren Gesamtmarktlage konfrontiert. Da BYD die kritischsten Systemkomponenten, inklusive der Batteriezellen, selbst produziert, konnten die Liefermenge 2021 dennoch, verglichen mit 2020 etwa verdoppelt werden. Da die Liefersituation dennoch durch die anhaltend stark steigende Nachfrage angespannt bleibt, wird BYD im Jahr 2022 weiterhin viel Energie und Mittel in die Ausweitung der Produktion investieren, um die Nachfrage bedienen zu können.
Daneben sind weitere Optimierungen beim Produkt, Support sowie Marketing geplant, um den Weg zum emissionsfreien Ökosystem noch einfacher zu machen.
E3/DC E3/DC geht 2022 mit einem ganz neu konzipierten Einstiegs-Hauskraftwerk in den Markt, dem S10 SE. Der leichte Hybridwechselrichter und das separate Batteriesystem kommen – wie immer bei E3/DC – aus einer Hand. Das S10 SE ist mit nutzbaren Kapazitäten von 5,8 bis 10,8 kWh ideal für kleinere PV-Anlagen geeignet, es bietet eine Ladeleistung von 4,5 kW und das bewährte E3/DC-Energiemanagement. Weiterentwickelt hat E3/DC die Wallbox easy connect: Ab März 2022 kommt eine neue Variante, die je nach verfügbarer PV-Leistung automatisch ein- oder dreiphasig lädt und so noch mehr Solarstrom auf die Straße bringt.
SolarEdge SolarEdge wird im nächsten Jahr den Systemgedanken weiter intensivieren. Der eigene EV-Charger bietet die Möglichkeit, mit einem einfachen Klick das Elektroauto intelligent mit PV-Überschuss zu laden oder das persönliche Ladeprofil in der mySolarEdge App einzustellen. Ein weiterer Meilenstein sind die SolarEdge Batterien. Ob Hochvolt für die einphasigen oder Niedervolt für die dreiphasigen Geräte, die komplett auf das System abgestimmten Lösungen ermöglichen per Plug-and-Play Eigenheime mit Speichern zu versorgen. Im Falle eines Stromausfalls bietet SolarEdge drei- und einphasige Backup-Geräte an. Abgerundet wird das Jahr mit den neuen Optimierern der S-Serie. Diese setzen Sicherheitsstandards indem beispielsweise in den Steckverbindungen schon Fehler wie Wärmeentwicklungen erkannt und dann durch die Lichtbogenerkennung der Wechselrichter Schlimmeres verhindert werden kann.
Fronius Auch im neuen Jahr setzt Fronius voll auf sein Zugpferd, den Symo GEN24 Plus. Dieser bietet ein Optimum der Solarisierung von Privathaushalten und ermöglicht somit die perfekte Energiewende: Ob Photovoltaik, Speicher, Notstrom, Wärmepumpenansteuerung oder E-Mobilität – der Fronius GEN24 Plus bietet eine einzigartige Lösungsvielfalt. In Kombination mit der Ladestation Fronius Wattpilot, kann das E-Auto zudem nicht nur CO2-neutral sondern auch noch besonders günstig geladen werden. Clevere Installateure haben es schon gemerkt: “Kannst du den GEN24, kannst du auch den Tauro 50/100kW”, der gleiche Datenpilot steuert die Geräte und macht die Inbetriebnahme einer Gewerbeanlage auch im Jahr 2022 zum Kinderspiel. Zu guter Letzt hat Fronius investiert, baut massiv die Fertigungskapazitäten im Werk in Österreich aus und hat neue Quellen in der Bauteile-Lieferkette erschlossen, damit mittelfristig wieder Lageraufbau im Handel und schnelle Lieferung bei hoher Nachfrage garantiert ist.
GoodWe Für GoodWe war 2021 ein sehr erfolgreiches und bewegtes Jahr mit starkem Wachstum. Im Juni wurde GoodWe u.a. mit seinem Topseller, dem Hybridwechselrichter ET, im SPI-Test zum effizientesten asiatischen Wechselrichter-Hersteller gekürt und präsentierte auf der Intersolar im Oktober erstmals seine neuen Batterielösungen. 2022 wird sich GoodWe noch stärker als Lösungsanbieter positionieren, indem es neben der erfolgreichen Weiterentwicklung des ET PLUS+ (direkte RCR-Schnittstelle, programmierbare Schnittstelle für Smart-Home-Interaktion, intelligente Steuerung von Lasten uvm.) mit dem Lynx U und dem Lynx F auch attraktive Nieder- und Hochvoltbatterien anbietet. Weitere Batterien für den C&I-Bereich folgen in den nächsten Monaten. Damit bietet GoodWe alle Komponenten perfekt aufeinander abgestimmt und aus einer Hand mit einer einzigen Supportadresse und vollumfänglichem Service in der jeweiligen Landessprache. Und last but not least entwickelt GoodWe auch sein beliebtes Kundenprogramm GoodWe PLUS+ weiter – mit noch mehr Vorteilen wie exklusivem Service, professionellen Schulungen und Garantieverlängerungen für Installateure.
K2 Connecting Strength: Wir verbinden unsere Stärken für ein gemeinsames Ziel: die nachhaltige Energiewende. Mit K2 Training kann sich jeder Wissen zu Grundlagen und Ziegeldächern aneignen. Als Qualitätsnachweis für die Endkunden gibt es mit einem nachgewiesenen Wissenscheck ein Zertifikat. In 2021 haben wir unsere Produktionskapazitäten deutlich ausgeweitet und das wird auch ein wichtiger Bestandteil in 2022 sein. Natürlich erweitern wir auch stetig unser Produktportfolio mit Fokus Montagefreundlichkeit und ergänzen diese, durch unsere digitalen Services.
LG Air Solution Im Fokus bei LG Air Solution steht die Wärmepumpe Therma V Monobloc S, die eine der leisesten auf dem Markt ist und dabei äußerst effizient arbeitet. Mit einem Geräuschpegel von nur 32 bzw. 35 dBA (in 5 m) kann sie auch ohne Probleme in dicht bebauten Bereichen eingesetzt werden. In Kombination mit den auf die Therma V abgestimmten ESS Home Systems und Photovoltaik-Panels von LG ist sie die ideale Lösung für die Energiewende.

 

Sonnenenergie = Wärme 

Vernetzung wird auch hinsichtlich der Wärmekopplung immer wichtiger. Der Markt für Wärmepumpen wächst derzeit noch steiler als der PV-Markt und die strombetriebenen Wärmeerzeuger verdrängen mehr und mehr Öl- und Gasheizungen. Da macht es nur Sinn, diese auch mit der PV-Erzeugung zu vernetzen. Die folgenden Fragen werden daher 2022 wichtig: Wie kann ich überschüssigen PV-Strom für die Wärmeerzeugung nutzen? Und welches PV-System passt zu welcher Wärmepumpe?  

PV-Pflicht für Gewerbebauten

Diese aber auch ganz andere Fragen kommen in diesem Jahr auf Gewerbetreibende zu. So ist zum Beispiel in NRW und Baden-Württemberg mit dem Jahreswechsel eine teilweise Photovoltaikpflicht in Kraft getreten. Neue Nicht-Wohngebäude müssen ab sofort mit einer Photovoltaikanlage ausgestattet werden und auch Parkplätze mit mehr als 35 Stellplätzen benötigen ein PV-Carport. Weitere Bundesländer werden folgen.  

Zudem werden immer mehr Firmenflotten elektrifiziert. Die hierfür notwendige Ladeinfrastruktur fehlt vielerorts aber noch gänzlich. Wird eine solche dann projektiert, kommen schnell Photovoltaik und Gewerbespeicher ins Spiel. Der für die Beladung des Fuhrparks notwendige Strom soll schließlich zum einen grün sein und darf zum anderen das regionale Netz nicht überlasten. 2022 könnte nun also der Durchbruch für Gewerbespeicher kommen.  

Alle nutzbaren Flächen für den PV-Ausbau verwenden 

Um die gesteckten Zubauziele von etwa 20 GW pro Jahr zu erreichen, benötigt es aber noch mehr als neue Systeme und eine PV-Pflicht auf Gewerbedächern. Auch weil viele ältere Gewerbedächer eine Belegung mit PV, wegen fehlender Lastreserven, nicht zulassen. Wir müssen daher alle Flächen nutzen, die für Photovoltaik geeignet sind und deren Nutzung keine Kollateralschäden oder Missbilligung der Gesellschaft verursachen. 2022 wird sich daher viel um das Thema Agri-PV drehen und auch Fassaden-Photovoltaikanlagen rücken wieder stärker in den Fokus.  

Mehr Installateure braucht das Land 

Zuletzt braucht es aber schlicht mehr Women- und Manpower. Zwar werden die Systeme deutlich einfacher zu installieren, das alleine reicht aber nicht aus. Erste Hersteller, Energieversorger oder Investorengruppen haben schon damit begonnen Installationskapazitäten am Markt aufzukaufen oder langfristige Verträge mit Handwerksbetrieben zu schließen, um ihre eigene Agenda nicht zu gefährden. Diese Entwicklung wird im neuen Jahr fortschreiten.

Nur bringt uns das noch keine zusätzlichen Kapazitäten. 2021 sahen wir aber auch einen starken Anstieg an Handwerksbetrieben, die zum ersten Mal eine Photovoltaikanlage installiert haben. Ein Trend, der sich 2022 fortsetzen dürfte. Die positiven Marktaussichten sollten zudem allen bestehenden PV-Fachbetrieben die Entscheidung erleichtern, weiteres Personal aufzubauen und in die Zukunft zu investieren.  

Mein Fazit

Es gibt jede Menge zu tun im neuen Jahr. Einfach wird es sicher wieder nicht werden. Warenknappheit, Preissteigerungen und Lieferverschiebungen werden uns bis weit ins neue Jahr begleiten. Dennoch geben die politischen Rahmenbedingungen und die extrem positiven Aussichten jedem die Chance, jetzt in die Zukunft zu investieren. Erfolgreich wird sein, wer Planungs- und Installationskapazitäten anbieten kann und langfristig plant. 

Zusammengefasst:

  • 2021 war kein einfaches Jahr. Zusammen kämpften wir dennoch für den Ausbau der Erneuerbaren und erreichten einen PV-Zubau von 5,3 GW. 
  • Die größten Herausforderungen sehe ich darin, mehr Planungs- und Installationskapazitäten zu schaffen sowie die Photovoltaik enger mit der Wärmeerzeugung zu vernetzen. 
  • Die Aussichten für die PV-Branche und der politische Rahmen stimmen. Eine gute Zeit für Investitionen in die Zukunft.