Handwerk und Digitalisierung: So kann ein digitaler PV-Installateur aussehen 

Einfach weniger Zettelwirtschaft, Effizienzsteigerung oder doch der Schlüssel zu nachhaltigem Unternehmenserfolg – das Thema Handwerk und Digitalisierung ist gerade präsenter denn je. Auch oder gerade wegen Corona. Wir haben uns gefragt wie digitale Konzepte bei Installateuren aussehen können und Benjamin Rauser von Zolar interviewt.

Digitalisierung kann sich als Automatisierung von Arbeitsabläufen zeigen, aber auch als neue Formen der Kommunikation zwischen Mitarbeitern und zwischen einem Unternehmen und seinen Kunden. Installateure stehen hier vor der Herausforderung, für ihren Betrieb Nötiges von Überflüssigem zu unterscheiden. Dann gilt es neue Tools gut zu implementieren. Natürlich auch, indem dabei die eigenen Mitarbeiter abgeholt werden. Hier ist guter Rat teuer. Beispiele aus der Branche können eine interessante Orientierung bieten.

Ein digitaler Handwerksbetrieb

Zolar gibts seit 2016. Das Berliner Greentech Start-up wurde von Alex Melzer und Gregor Loukidis gegründet und ist mittlerweile 100 Mitarbeiter groß. Bei Zolar kaufen Hausbesitzer eine Photovoltaikanlage online zum Festpreis. Installiert wird von eigenen Handwerkern und Partnerbetrieben. Benjamin Rauser ist Chief Operating Officer (COO) bei Zolar und verantwortet die komplette Abwicklung und Umsetzung der Projekte nach dem Kauf einer Anlage. Wir haben uns mit Benjamin Rauser für ein Interview getroffen – natürlich virtuell – und ein Beispiel für digitale Prozesse im Handwerksbetrieb gesehen.

Memodo: Handwerk und Digitalisierung werden bei euch großgeschrieben. Was bedeutet digital für euch?

Benjamin Rauser, Chief Operating Officer Zolar

Benjamin Rauser, COO bei Zolar, © Zolar

Benjamin Rauser: Wir gehen seit Anfang an mit der Digitalisierung Hand in Hand, extern wie auch intern. Für unsere Kunden haben wir einen Online-Konfigurator entwickelt, der den Kauf einer Solaranlage für Eigenheimbesitzer vereinfachen soll. Gleichzeitig haben wir damit die Projektanfrage, die Planung der Anlage, die Angebotserstellung und das Verkaufsgespräch in die digitale Welt gehoben. Für unsere Installateure entwickelten wir ein Projektmanagement-Tool als Datenspeicher und Kommunikationszentrale. Für Handwerker-Schulungen setzen wir vermehrt Videotrainings ein. Unsere Mitarbeiter nutzen eine breite Palette an digitalen Werkzeugen, um ihren Arbeitsalltag zu gestalten. Dazu zählen gängige Chat-, Video- und Speicher-Tools, die Datenmanagement und virtuelle Kommunikation möglich machen. Technisch haben wir alle Arbeitsplätze so eingerichtet, dass jeder Mitarbeiter von heute auf morgen ins Homeoffice wechseln kann.

Memodo: Erzähle uns doch mehr über den Online-Konfigurator und von einem typischen Verkaufsgespräch?

Zolar Online-Konfigurator

Softwareoberfläche Online-Konfigurator, © Zolar

Benjamin Rauser: Über unsere Webseite landen unsere Neukunden bei der Projektanfrage. Dort fragen wir erst einmal Daten, wie zum Beispiel den Jahresstromverbrauch oder die Neigung des Dachs, ab. Unser Datenaufnahme-Team verifiziert diese Daten. Daraus formen wir unseren ersten Design-Entwurf für den Kunden, der mit einem Zugang zum Online-Konfigurator an ihn übergeben wird. Als nächstes kommt es zum Verkaufsgespräch via Telefon. Dabei geht es dann ans Eingemachte. Als Gesprächs-Basis dient der Design-Entwurf, der nun angepasst wird. Welcher Speicher? Normales Modul oder doch All-Black? Der Kunde hat hier die Qual der Wahl und bestimmt zusammen mit unserem Berater, was er auf dem Dach haben möchte. Eine Simulation zeigt ihm, wie die Anlage aussehen wird und was sie leisten kann auf Basis einer Hochrechnung. Am Ende steht für den Hausbesitzer ein Angebot mit Festpreis und die Vertragsunterzeichnung. Dann wird eine Anzahlung von 500 Euro fällig. Das Projekt wandert anschließend an ein Handwerker-Team und in die Umsetzung.

Memodo: Was kann euer Projektmanagement-Tool?

Benjamin Rauser: Unsere Handwerker nutzen unser Projektmanagement-Tool. Hier verwalten wir unsere Solarprojekte – von der Projektvergabe bis zur Dokumentation der Kundenkommunikation. Das Tool zählt drei große Funktionsbereiche: Zolar, Installer und Customer. Die Projektvergabe fällt in den Zolar-Bereich. Im Installer-Bereich stehen alle Informationen für die Durchführung des Projekts. Dazu gehören Systempläne, aber auch Bilder der Gegebenheiten vor Ort. Der Customer-Bereich führt unter anderem die Leistungsdaten der Anlage. Mit dem Tool soll möglichst viel automatisiert werden, damit sich unsere Installateure auf das Wesentliche konzentrieren können – die Installation. Zusammen mit unseren Installateuren entwickeln wir unser Projektmanagement-Tool weiter. Das ist für uns der Schlüssel zu einem Tool mit wirklichem Mehrwert.

Memodo: Was sind die größten Herausforderungen beim Aufbau eines deutschlandweiten Vertriebs?

Benjamin Rauser: Für uns ist es sicher der Aufbau eines großen Partnernetzwerks. Mittlerweile sind wir hier auf eine Vielzahl an Partnern gekommen, die für uns installieren. Dabei geben wir das Projekt aber rechtlich nicht ab, sondern tragen die Verantwortung weiter. Da wir selbst ein eingetragener Elektromeisterbetrieb sind, wissen wir genau, wovon gesprochen wird. Mit unseren Partnern ist uns eine effiziente Zusammenarbeit wichtig. Hier setzen wir vor allem auf unser Projektmanagement-Tool.

Memodo: Wie siehst du die Entwicklung des Marktes in diesem Jahr? Und wo geht die Reise für Zolar hin?

Benjamin Rauser: Mittlerweile gibt es Zolar-Projekte in ganz Deutschland. Sie wurden entweder von unseren eigenen Handwerker-Teams oder von Partnerbetrieben ans Netz genommen. Photovoltaikanlagen und auch Speicher sind eine Investition in die Zukunft: Hausbesitzer sparen effektiv Stromkosten und steuern gegen den Klimawandel. Wir sind also Teil einer Zukunftsbranche. Das wird sich nicht ändern, auch nicht durch die Corona-Krise. Für das laufende Jahr sind wir insgesamt optimistisch was die Marktentwicklungen angeht und rechnen mit einem guten Wachstum. In den nächsten Jahren wollen wir vor allem unserer Vision näherkommen und eine lebenswertere Zukunft durch saubere Energie schaffen.

Unser Fazit

Zolar ist ein Beispiel für gelebte Digitalisierung und zeigt uns einen möglichen Weg für die Branche auf. Mit der Corona-Krise ist die Digitalisierung in vielen Handwerksbetrieben endgültig angekommen und zeigt sich bisher vor allem in Prozessen, die automatisiert und digitalisiert wurden oder auch in neuen Kommunikations-Tools, die eingezogen sind. Auch wir ziehen hier mit und sind mit unserem Onlineshop von Tag eins an digital aufgestellt. Wir sehen die Digitalisierung vor allem als Chance, nicht zuletzt, weil unsere Umwelt davon profitiert. Gleichzeitig können wir uns aber eine Photovoltaik-Installation ohne persönlichen Kontakt zu Kunden und Partnern nicht vorstellen. Hier gilt es für Installateure, Großhändler und Hersteller die richtige Balance zu finden.

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