Hagelschaden, was muss der Solaranlagen-Besitzer beachten?

Hagelschauer können auch für Solaranlagen gefährlich werden. In diesem Blogbeitrag erklären wir dir, wie du bei einem Hagelschaden vorgehst und auf was du achten solltest!

Schäden an einer Solaranlage richtig erkennen

In diesem Sommer tobten vermehrt heftige Unwetter über Bayern. Diese hielten nicht nur zahlreiche Feuerwehren und andere Einsatzkräfte auf trapp, sondern versetzten auch vielen Hausbesitzern einen ordentlichen Schreck. Neben heftigem Starkregen kam es zu Hagelschauern, deren Körner teilweise die Größe eines Golfballs besaßen.

Kaputte Dachziegel nach Hagelschaden

Die dadurch entstandenen Schäden sind enorm. Besonders die Fenster von Gebäuden und Fahrzeugen sind reihenweise zu Bruch gegangen. Auch nach kurzem Blick auf das Hausdach kann man derzeit viele, mitunter große Hagelschäden feststellen. Neben zerbrochenen Dachziegeln sind auch zahlreiche Photovoltaik-Anlagen von dem Unwetter betroffen.

Eine zerbrochene Fahrzeugscheibe oder ein Dachziegel ist schnell ausgetauscht. Doch was passiert mit beschädigten Modulen der Photovoltaik-Anlage auf dem Hausdach?

Zuerst zeigen wir euch welche Schäden durch einen Hagelschlag entstehen können. Neben dem klar erkennbaren Glasbruch auf dem Modul gibt es auch die sogenannten „unsichtbaren“ Schäden.

Sichtbare Schäden auf den Photovoltaik-Modulen

Glasbruch nach Hagel bei Photovoltaik Modul

Sichtbare Schäden zeichnen sich durch einen Glasbruch oder Beschädigungen am Modulrahmen aus. Findet man solche Brüche auf der Glasabdeckung, sollte man im ersten Schritt den Installateur kontaktieren. Fotos helfen dem Installateur den entstandenen Schaden besser einzuschätzen. Falls nötig kann auch einen Vororttermin vereinbart werden. Je nach Ausmaß des Schadens sollte der Installateur die Solaranlage vorsorglich abschalten.

Aber warum sollte in diesem Fall die Solaranlage abgeschaltet werden? Durch die entstandenen Risse im Glas kann Feuchtigkeit eintreten, welche beim Wechselrichter einen Isolationsfehler auslösen kann. Sind nur wenige Photovoltaik-Module betroffen, kann man die defekten Module aus dem String herausnehmen und somit überbrücken. Das hat den Vorteil, dass die Photovoltaik-Anlage wieder angeschaltet werden kann, bis die Ersatzmodule montiert werden.

Das Deckglas eines Solarmoduls dient überwiegend als Schutz der Solarzellen. Diese sind durch ihre geringen Dicke sehr bruchempfindlich. Ein Mikroriss oder Zellbruch ist somit oft die Folge eines Glasbruchs.

Hagelschaden auf den zweiten Blick – „unsichtbarer Schaden“

Neben klar erkennbarem Glasbruch gibt es zudem für das Auge unsichtbare Schäden. Bei einem starken Hagelschlag wird das Schutzglas entsprechend beansprucht. Der Aufprall der Hagelkörner kann in den direkt unter dem Glas liegenden Zellen Mikrorisse hervorrufen.  Besteht durch verringerten Leistungsertrag der Verdacht auf Mikrorisse sollte ein Experte beauftragt werden, der das genaue Ausmaß des Schadens einschätzt. Für Schäden auf Zellebene gibt es verschiedene Mess- und Prüfmethoden. Die Ergebnisse verschaffen einen genaueren Überblick zu dem Zustand der Photovoltaik-Anlage.

Ertragsvergleich

Besteht nach einem derartigen Unwetter der Verdacht, dass sich in den Solarmodulen Schäden durch Zellrisse gebildet haben, kann im ersten Schritt eine Ertragsanalyse durchgeführt werden. Die dafür benötigten Ertragswerte können bequem aus dem Online-Portal entnommen werden. Hierbei vergleichst du die Ertragswerte vor und nach dem Unwetter. Es ist zu beachten, dass die verglichenen Ertragswerte über mehrere Wochen reichen.

Kennlinienmessung

Sollte beim Ertragsvergleich eine empfindliche Differenz erkennbar sein, ist eine Kennlinienmessung eine Möglichkeit, um den Schaden klarer einzugrenzen. Durch die notwendige Demontage der Module sollte dieser Schritt gut abgewägt werden. Durch Vergleich mit einer Referenzzelle erhält man die aktuellen Leistungswerte des Moduls. Der Kurvenverlauf der Kennlinie gibt Aufschlüsse über Schäden nach einem Unwetter, Fehler bei der Installation oder allgemeine Degradation.

Elektrolumineszenz Messung

Mit einer Elektrolumineszenz Messung lässt sich der aktuelle Zustand der Zellen exakt und detailliert feststellen. Neben Mikrorissen sind auch kurzgeschlossene Bypass Dioden oder Produktionsfehler der Zellen erkennbar.

Das Prinzip einer Elektrolumineszenz-Messung ist einfach und schnell erklärt:

Elektrolumineszenz ist die Aussendung von Licht als Folge einer von außen an die Solarzelle angelegten Spannung. Das heißt, dass Strom rückwärts durch die Solarmodule geleitet wird. Mit dieser Technik entsteht eine leichte Lichtemission im infraroten Bereich des elektromagnetischen Spektrums. Diese Lumineszenz-Strahlung bei Silizium ist für das Auge nicht sichtbar. Zwischen 400 nm und 650 nm Wellenlängen kann das menschliche Auge aufnehmen, die Elektrolumineszenz liegt bei 1150 nm. Bei Dunkelheit werden die „leuchtenden“ Solarmodule mit einer speziellen Kamera fotografiert und anschließend ausgewertet.

Da die Ausrüstung sehr teuer ist, führen die Messung meistens nur spezialisierte Fachbetriebe durch.

Mikrorisse im Solarmodul durch Elektrolumineszenz Messung erkennen

Die Aufnahme zeigt ein Photovoltaik-Modul bei einer Elektrolumineszenz-Messung. Die dunkel erscheinenden Zellen auf dem Bild weisen auf einen Kurzschluss hin. Andere Zellen in dem Modul zeigen Mikrorisse. Diese Risse entstehen nicht nur bei einem Hagelschaden, sondern bei jeder starken mechanischen Einwirkung auf den Zellkörper. Dies kann bereits beim Fertigungsprozess des Moduls, beim unsachgemäßen Transport oder bei der Montage auf dem Dach erfolgen. Diese Mikrorisse haben je nach Rissverlauf nicht zwingend direkte Auswirkungen auf das Solarmodul. Dennoch können bei vermehrtem Auftreten Abbrüche an der Zelle entstehen. Dadurch verliert das Modul an Leistung.

Versicherung für die Solaranlage

Eine Versicherung für eine Photovoltaik-Anlage ist nicht verpflichtend, aber auch in Anbetracht der Investitionskosten eine durchaus sinnvolle Investition.  Bei Neubau einer Photovoltaik-Anlage wird diese nicht automatisch in die Versicherung mit aufgenommen. Prüfe, ob deine bestehende Hausratsversicherung die Solaranlage mitversichert und z.B. bei Unwettern mit starkem Hagelschlag auch ausreichend Schutz dafür bietet. Alternativ gibt es auch zahlreiche Anbieter von speziellen Photovoltaikanlagen-Versicherungen. Deren Umfang enthält meist auch Schäden durch Überspannung sowie Kostenübernahme für Gutachten bei Hagelschaden.

Mit einem optimalen Rundumschutz bist du bestens vor dem nächsten Unwetter gewappnet.