6 Tipps für deine erste gewerbliche PV-Anlage

Du planst Solaranlagen von Ein- und Zweifamilienhäusern schon wie im Schlaf. Nun hast du die erste Anfrage für eine gewerbliche PV-Anlage auf dem Tisch und du willst das neue Projekt anpacken? Wir zeigen dir, worauf du achten musst. 6 Tipps, wie du eine gewerbliche PV-Anlage planst.

Ab wann gilt eine PV-Anlage als gewerblich?

Eine klare Differenzierung, ab wann eine PV-Anlage gewerblich ist, gibt es nicht. In der Regel gelten Anlagen ab einer Modulleistung über 25 kWp als kleine Gewerbeanlage bzw. große Eigenheimanlage.

Tipp 1: Schwellenwerte für gewerbliche PV-Anlagen kennen

Bei Solaranlagen über 25 kVA gibt es je nach Größe weitere Regeln, die du beim Planen berücksichtigen musst. Diese geben unter anderem der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (VDE) und das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vor.

Die Vorschriften des VDE beziehen sich in erster Linie auf die Wechselrichter-Leistung. 30 kVA und 135 kVA sind hierbei die 2 wichtigsten Werte. Bei Anlagen über 30 kVA musst du über den richtigen Netz- und Anlagen-Schutz (NA-Schutz) nachdenken. Ist die Anlage größer als 135 kVA benötigst du außerdem eine andere Zertifizierung.

VDE Vorschriften

Wechselrichterleistung

Zertifizierung VDE AR-N

NA-Schutz

bis 30 kVA

4105

intern

bis 135 kVA

zentral

ab 135 kVA

4110

Das EEG hingegen bezieht sich auf die installierte Modulleistung. Die 4 wichtigsten Schwellen sind hier 25 kWp, 100 kWp, 300 kWp und 750 kWp. Ab einer Anlagengröße von 25 kWp musst du z. B. einen Anschluss für den Funkrundsteuerempfänger (FRE) sicherstellen und ab 100 kWp ist eine Direktvermarktung zwingend vorgeschrieben.

EEG

Installierte Modulleistung

Einspeisemanagement

Direktvermarktung notwendig

bis 25 kWp

70 % Regelung

Nein

ab 25 kWp

Funkrundsteuerempfänger

ab 100 kWp

Ja

ab 300 kWp

bis 750 kWp

Tipp 2: Förderungen für eine gewerbliche PV-Anlage im Blick behalten

Bevor du loslegst, checke die aktuellen Förderprogramme von Bund und Ländern, damit deine gewerbliche PV-Anlage alle Förderanforderungen abdeckt. PV-Anlagen boomen – nicht nur aus Gründen der Nachhaltigkeit, auch weil der Ausbau der Erneuerbaren ein Klimaziel der Regierung ist. Dementsprechend fördern die Länder unterschiedliche Maßnahmen.

Tipp 3: Kosten sparen mit dem richtigen Wechselrichter

Wie bei kleineren Solaranlagen spielt auch bei gewerblichen PV-Anlagen die Wahl des richtigen Wechselrichters eine Rolle. Du solltest darauf achten, dass die Größe des PV-Generators zum Wechselrichter passt. Für die genaue Dimensionierung helfen dir die kostenfreien Auslegungstools der Hersteller.

Ein weiterer Kostenpunkt bei PV-Anlagen ist der DC- oder AC-Überspannungsschutz. Einige Gewerbewechselrichter haben diesen standardmäßig verbaut. Viele Hersteller bieten dir den Überspannungsschutz auch als optionales Zubehör an, das du ganz einfach in den Wechselrichter einsetzt. Diese Zubehör-Lösung ist günstiger als eine externe Box mit Überspannungsschutz. Bei unseren Gewerbespeichern zeigen wir dir unter „passendes Zubehör“, ob der Wechselrichter diese Option bietet.

Auch beim NA-Schutz kannst du Kosten sparen. Bei PV-Anlagen unter 135 kVA kannst du in der Regel mit einem NA-Schutzwächter, auch Netzwächter genannt, arbeiten. Sie sind deutlich günstiger als eine externe Box. Bitte beachte, dass der Netzbetreiber entscheidet, ob du mit einem NA-Schutzwächter oder einer externen Lösung arbeiten musst. Spreche das vor der Planung kurz mit ihm ab.

Tipp 4: Der Lastgang ist bei einer gewerblichen PV-Anlage das A & O

Gewerbespeicher sind flexibel skalierbar und können den Eigenverbrauch eines Betriebs optimieren. Sie werden als komplettes System bestehend aus Speicher und Wechselrichter angeboten. Für die richtige Wahl des Speichers ist neben dem Stromverbrauch vor allem der Anwendungsfall entscheidend.

Die richtige Größe für einen Gewerbespeicher ermittelst du durch eine Lastganganalyse deines Projektes. Hierbei gleichst du den Verbrauch mit der möglichen Erzeugung deiner PV-Anlage ab und ermittelst das Potenzial für die Verwendung eines Speichers. Den Lastgang bekommst du vom zuständigen Netzbetreiber, wenn der Verbrauch im Jahr größer als 100.000 kWh ist. Willst du eine Lastspitzenkappung anwenden, dann solltest du auch den Leistungspreis kennen. Damit schätzt du schnell ab, ob eine Lastspitzenkappen bei diesem Projekt sinnvoll ist.

Tipp 5: Ladeinfrastruktur einbeziehen

Die E-Mobilität ist auf dem Vormarsch. Kläre, bevor du eine gewerbliche PV-Anlage planst, ob eine Ladeinfrastruktur in Zukunft Thema werden könnte. Denn mit einer Ladesäule oder Wallbox steigerst du den Eigenverbrauch und somit auch die Wirtschaftlichkeit der PV-Anlage. Um die richtige Ladelösung zu finden, solltest du z. B. diese Fragen stellen:

  • Wer nutzt die Wallbox?
  • Muss der Ladevorgang abgerechnet werden?
  • Wie viele Ladepunkte benötige ich und wie viel wird geladen?
  • Wo wird die Wallbox aufgestellt?

Tipp 6: Überblick bringt Sicherheit

Mit einer gewerblichen PV-Anlage kommt auch mehr Planungsaufwand. Zeit ist Geld und Zeit ist knapp. Sammelst du frühzeitig alle Daten sparst du dir Zeit, behältst den Überblick und alles klappt ohne böse Überraschungen. Auch wenn du unseren Planungsservice in Anspruch nimmst hilft es dir, alle Infos parat zu haben. Die Memodo Planungs:Experten*innen schicken dir einen Erfassungsbogen zu und je genauer du diesen ausfüllst, desto schneller können wir dir helfen. Wir schauen uns auch gerne deine bisherige Planung an und unterstützen dich bei einzelnen Bausteinen des Projekts.

Fazit:

Eine gewerbliche PV-Anlage zu planen ist kein Hexenwerk. Rechne etwas mehr Zeit ein und beachte abweichende Vorschriften und Schwellenwerte. Auch die Anforderungen an die Komponenten unterscheiden sich. Verschaffe dir deshalb einen Überblick und starte dann mit deiner Planung. Brauchst du Unterstützung? Dann hilft dir unsere Planungsabteilung immer gerne weiter.

Zusammengefasst:

  • Eine klare Grenze zwischen Gewerbe- und Eigenheimanlage gibt es nicht. An den Vorschriften des VDE und des EEG kannst du dich aber orientieren.
  • Mit Förderungen und dem richtigen Wechselrichter kannst du Kosten sparen.
  • Kennst du die Anforderungen und Kennzahlen deines Projektes, findest du die richtigen Komponenten für deine große Solaranlage und sparst Zeit und Kosten.