Fronius Tauro: Der Wechselrichter für PV-Großanlagen

Fronius ging im Juli mit dem Fronius Tauro an den Start, einem Wechselrichter für gewerbliche PV-Systeme und dem Motto „harte Schale, smarter Kern“. Wir haben uns mit Maximilian Neuhaus, Vertrieb Systemtechnik Fronius Deutschland, unterhalten und erfahren, was hinter dem Motto und im Produkt steckt.

Memodo: Welche Produkteigenschaften bringt der Fronius Tauro mit?

Maximilian Neuhaus: Wir haben mit dem Tauro ein Gerät für PV-Anlagen größer 50 kW geschaffen. Er kommt als Fronius Tauro Eco mit 50, 99 oder 100 kW auf den Markt. Als zweites Modell bieten wir den Fronius Tauro mit 50 kW an. Er hat 3 MPP-Tracker, während das Eco Modell mit einem MPP-Tracker kommt. Beide Gewerbewechselrichter bieten viel Platz im Gehäuse, um diverse Installationsmöglichkeiten und Anlagendesigns umsetzen zu können.

Mit dem AC-Daisy-Chaining können weitere Wechselrichter im Anschlussbereich des Tauro aufgelegt werden (maximal 200 kW), ohne dass man eine zusätzliche AC-Unterverteilung braucht. Sie wählen also nur einen Querschnitt und eine Zuleitung und verbinden dann alles miteinander.

Das doppelwandige Design und die aktive Kühltechnologie sorgen dafür, dass Sie das Gerät auch bei Umgebungstemperaturen von 50 °C in direkter Sonneneinstrahlung installieren können, also ohne Überdachung oder Dachkonstruktion. Durch das Double-Wall-Kühlsystem wird ein konstanter Luftpuffer geschaffen. Permanent wird hier kalte Luft über Lüfter angesaugt und warme über die Doppelwand nach außen gedrückt.

Kühlsystem Fronius Tauro

Kühlsystem des Fronius Tauro, © Fronius

Was das Anlagendesign betrifft, können Sie den Fronius Tauro direkt am Modulfeld platzieren. Aber auch DC-Querschnitte von bis zu 95 Quadrat sind möglich, mit denen Sie große Strecken überbrücken können. So können Sie ertragsoptimiert am Einspeisepunkt installieren. Der Fronius Tauro kann außerdem auch liegend installiert werden. Gerade wenn die Modulfelder flach aufgeständert werden, wirft der Wechselrichter dann keinen Schatten. Auch ist es möglich, verschiedene Fronius Wechselrichter untereinander zu kombinieren.

Memodo: Was steht hinter dem Slogan „harte Schale, smarter Kern“?

Maximilian Neuhaus: Unser Kühlkonzept ist unsere „harte Schale“, es macht den Fronius Tauro robust für die Installation, auch unter schwierigeren Bedingungen. Der smarte Kern bezieht sich auf die bereitgestellte Datenkommunikation, die wir komplett ins Gerät eingebunden haben. Das heißt, dass keine zusätzlichen Upgrades notwendig sind.

Auch der standardmäßig integrierte Überspannungsschutz Typ 1+2 und Platz für andere Komponenten im Gehäuse sind hier gemeint. Gerade auf Industriegebäuden steht oft ein Blitzschutz. Wenn dann eine PV-Anlage nachträglich aufs Dach kommt, können Trennabstände zwischen Photovoltaik-Anlage und Blitzschutz oft nicht eingehalten werden. Der Wechselrichter muss dann Blitzstrom-tragfähig sein. Das erreichen Sie nur durch einen Überspannungsschutz Typ 1. „Smart“ soll auch der Fronius Kundenbereich sein. Hier können Sie Zusatzfunktionen ergänzen, wie z.B. EZA-Regler oder Switches.

Memodo: Wie setzen Sie die Anforderungen aus der VDE AR-N 4105 um? 

Maximilian Neuhaus: Wir haben für die 4105-Richtlinie schon ein Einheitenzertifikat und ein Zertifikat für den Netz- und Anlagenschutz. Sie können sie jetzt schon über unsere Webseite abrufen und für Anlagen zwischen 30 kVA und 135 kVA einsetzen. In der Niederspannungsrichtlinie darf der externe Netz- und Anlagenschutz auf die internen AC-Relais wirken.

Früher hat man für Anlagen > 30 kVA einen externen Netz- und Anlagenschutz gebraucht, der Frequenzen und Spannungen überwacht und bei Schwankungen die Anlage über einen großen AC-Kuppelschalter vom Netz nimmt. Alle Fronius Wechselrichter haben einen kleinen AC-Kuppelschalter inklusive Kommunikationspfad integriert, der zusammen mit einem NA-Wächter die AC-Relais trennt. Das ist mit unserem Einheitenzertifikat zertifiziert und damit decken wir die VDE AR-N 4105 bis 135 kVA ab.

Memodo: Anlagen über 100 kW brauchen eine Direktvermarktungs-Schnittstelle. Wie setzt Fronius das um?

Maximilian Neuhaus: Wir setzen für die Direktvermarktung und die Netz-Betreibersteuerung einen Third-Party-Controller ein. Wir haben eine Kommunikationseinheit integriert, die an einen Third-Party-Controller angebunden ist. Ein Standardprotokoll wie z.B. Modbus-TCP stellt die Verbindung her.

Memodo: Auf welche Anwendungsfälle zielt der Fronius Tauro?

Maximilian Neuhaus: Der Tauro ist ideal für die Eigenverbrauchsoptimierung, egal ob im Mittel- oder Niederspannungsnetz, egal ob für Industrie- oder Freiflächenanlagen. Auch wenn zum Beispiel ein Schreiner zu seiner bestehenden PV-Anlage noch Ladestationen installieren will oder eine Wärmelösung, passt der Tauro perfekt. Grundsätzlich wollen wir langfristige Lösungen schaffen, auch in Richtung Sektorenkopplung.

Memodo: Haben Sie noch Tipps für die Installation und Inbetriebnahme?

Maximilian Neuhaus: Wenn Sie die Gesamtinvestition PV-Anlage unter die Lupe nehmen, dann verursacht der Wechselrichter etwa 10 % der Kosten, diese 10 % beeinflussen die Gesamtperformance der Anlage aber zu 100 %. Je geringer der AC-Verlust ausfällt, desto effizienter ist der Ertrag. Der Standort des Wechselrichters, die Größe der Querschnitte, die Kommunikationseinheit und viele Faktoren mehr sollten Sie über die gesamte Betriebslaufzeit der Anlage ins Visier nehmen.

Ihre Komponenten sollten Sie so wählen, dass ertragsoptimiert produziert werden kann. Auch ein passendes Servicekonzept braucht es dafür. Beim Fronius Tauro kann jedes Leistungsteil ausgetauscht werden, ohne dass Sie den Wechselrichter bewegen müssen. Die Kommunikationsplatinen des Fronius Tauro und Fronius GEN24 sind gleich, damit kennen Sie sicher schon viele Handgriffe. Durch den Platz im Produkt geben wir Ihnen auch für große Querschnitte Anschlussfreiheit.

Innenleben Fronius Tauro 50 kW

Innenleben Fronius Tauro 50 kW, © Fronius

Memodo: Was gibt es zum Servicekonzept noch zu wissen?

Maximilian Neuhaus: Wir führen hier die Fronius Tradition fort und haben dafür gesorgt, dass Sie die Komponenten und besonders die Leistungsplatinen austauschen können. Der Tauro bringt ein Türscharnier mit, in welches das Leistungsteil eingebunden ist. Sie müssen nur die angeschlossenen Kabel abschließen, die Tür des Leistungsteils öffnen, es herausheben und das neue Leistungsteil einhängen. Dann schließen Sie die Kabel an und schrauben das Gerät wieder zu.

Der Tauro kann mit nur einer Person gewartet werden, die Leistungsteile wiegen etwa 27 kg. Die Produktgarantie liegt bei 2 Jahren und kann durch eine Registrierung im Fronius Solar.web kostenfrei auf 5 Jahre verlängert werden. Das Garantiemodell würde ich immer auf den Anwendungsfall zuschneiden. Insgesamt sind bis zu 20 Jahre Garantie gegen eine Gebühr möglich. Unsere technische Support-Hotline hilft Ihnen gerne bei Fragen weiter. Mit professionellen Trainingsteams schulen wir Sie auch in vielen Service-Themen, denn wir finden, praktisch lernt es sich immer noch am besten.

Das Produktvideo zum Fronius Tauro – Harte Schale, smarter Kern

Titelbild: © Fronius